Kondensatorüberraschung!

Begonnen von strichzwojan, 22 August 2023, 20:05:29

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strichzwojan

Ich fahre ja schon seit einigen Tausend km einen selbstzusammengebratenen MKP-Kondensator von Wima in der 25/2. Da geht alles gut.
Gestern habe ich nun einen zurechtgemacht für die 75/5, die plötzlich mit Zündaussetzern bei niedrigsten Drehzahlen unter Last zu nerven begann. Gut, das könnte auch an der großen Hitze und an den Vergasern liegen, aber trotzdem...

Einen Zwillingssteckplatz angelötet, Massekabel, alles vergossen mit 2K-Kleber und montiert. Funktioniert prima, und im Fahrbetrieb keinerlei Herumgezicke mehr. Was mich aber am meisten überraschte war jedoch der Unterschied beim Öffnungsfeuer am Kontakt. Während die 25/2 schon minimal Funken zeigt, ist bei der Strichfünf absolut nichts dergleichen zu sehen! Auf einer Skala von 0 bis 10 stufe ich die Strichfünf bei Null ein, die 25/2 bei einer Zweikommafünf. Bei beiden Maschinen ist der U-Kontakt zufälligerweise jeweils 7000 km alt.

Woran mag das liegen? An der im Vergleich halben Unterbrecherwellendrehzahl?

strichzwojan


Heiko

#1
Manchmal frage ich mich, was ich in letzter Zeit so glaube zu lesen... habe den Unsinn mal gelöscht.

Klar... UNTERBRECHER.  ::)

Ariel motorcycles... upon which the sun never sets.

strichzwojan

Nicht Kollektor, sondern Unterbrechernocken... Kein Kohlebürstenfeuer sondern zwischen den U-Kontakten.

Beide Maschinen funktionieren einwandfrei.

Spielt die Zündspule dabei eine Rolle? Die 75/5 hat eine nicht mehr lieferbare Silent Hektik-Doppelzündspule für U-Kontakt, die ich schon fast zwanzig Jahre drin habe. Kostete damals knapp 100 Euro. Format wie eine Rolle bretonische Salzbutter.

CHAMBONDU

Bei den /5 Serien liegt die Kapazität des Kondensators zwischen 0,15 und 0,20 Mikrofarad, während sie bei unseren Motoren mindestens 0,22 beträgt. Die beiden in Reihe geschalteten Spulen müssen den Strom begrenzen, selbst wenn sie mit 12 V versorgt werden.

Jean-Claude

Eppo

Halbe Unterbrecherdrehzahl bedeutet eher bessere Ladezyklen für die Zündspulen und damit höhere Induktionen (weil mehr Energie in den Spülen gespeichert ist).
Der Lichtbogen entsteht ja durch den Spannungsanstieg in der Spule, wenn der Stromfluss zusammen bricht.
Ein großen Einfluss haben auch die Bedingungen im Hochspannungs-Kreis,
Zündkerzen, Unterbrecherabstand oder Drücke im Brennraum.

Um nochmal auf deine Skala zurück zu kommen:
- Kerzenstecker auf Masse -> kein Unterbrecherfeuer, da Spannung auf Masse abgeleitet wird
- Kerzenstecker frei hängend (quasi unendliche Funkenstrecke am Kerzenstecker -> großer Spannungsanstieg, Energie kann nicht weg, Primärspannung steigt weiter, bis Überschlagsspannung bzw. Durchschlagsspannung der Wicklungsisolierung überschritten und die Zündspule kaputt geht.

Ich weiß nicht wie es an der 75/5 gelöst ist, aber meine BK350 hat 2 Zündspulen parallel an einem gemeinsamen Unterbrecher und parallel zum Unterbrecher 2 parallele Kondensatoren mit je 0,22, also in Summe 0,44uF.

MfG
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

#5
Original hat sie zwei dicke 6 Volt-Bosch-Spulen, die in Reihe geschaltet sind. Ich fahre seit langem die 12 Volt- Doppelzündspule von Silent Hektik. Ist etwas höherohmig ausgelegt für Kontaktzündung. Die ist deutlich leichter und funktionierte bislang sehr gut.
Seit einem Jahr fahre ich wieder die alten Boschkerzen W6DC, von denen ich mal in einem Baumarkt den Viererpack für eine DM kaufen konnte (gleich zehn Packungen). Also unentstört mit unentstörten Ariete-Steckern aus dem Moto Crossbereich.

Gruß, Jan

CHAMBONDU

Zitat von: Eppo am 22 August 2023, 21:38:50Halbe Unterbrecherdrehzahl bedeutet eher bessere Ladezyklen für die Zündspulen und damit höhere Induktionen (weil mehr Energie in den Spülen gespeichert ist).
Der Lichtbogen entsteht ja durch den Spannungsanstieg in der Spule, wenn der Stromfluss zusammen bricht.
Ein großen Einfluss haben auch die Bedingungen im Hochspannungs-Kreis,
Zündkerzen, Unterbrecherabstand oder Drücke im Brennraum.

Um nochmal auf deine Skala zurück zu kommen:
- Kerzenstecker auf Masse -> kein Unterbrecherfeuer, da Spannung auf Masse abgeleitet wird
- Kerzenstecker frei hängend (quasi unendliche Funkenstrecke am Kerzenstecker -> großer Spannungsanstieg, Energie kann nicht weg, Primärspannung steigt weiter, bis Überschlagsspannung bzw. Durchschlagsspannung der Wicklungsisolierung überschritten und die Zündspule kaputt geht.

Ich weiß nicht wie es an der 75/5 gelöst ist, aber meine BK350 hat 2 Zündspulen parallel an einem gemeinsamen Unterbrecher und parallel zum Unterbrecher 2 parallele Kondensatoren mit je 0,22, also in Summe 0,44uF.

MfG
Eppo

Hallo

Es wäre gut zu wissen, wie lange der Kontakt bei der R 27 geschlossen bleibt ? Sie schließt nur einmal für 2 Runden Kurbelwelle und hat auch nur eine Zündung ( keine verlorene Zündung ). Bei der R26 ist der Kontakt 220 Grad lang geschlossen, um die Zündspule zu laden, und 140 Grad lang geöffnet.

220°/360° = 61% Dwell

Jean-Claude

strichzwojan

Das schöne Wetter heute musste ausgenutzt werden. Verband von der linken Hand runter, Pflaster darauf und los...
Nach 10km ein Verschlucker, reflexartig Reservehahn auf, und weiter. Drei Kilometer weiter Stottern, Motor geht aus. Am Straßenrand das komplette Programm: Kerze Kerzenstecker Zündkabel, keine Funke da. Limadeckel runter, keine Auffälligkeiten.
Da ich den WIMA-Kondensator mit einem schnellen Flachsteckeranschluss an der Unterbrecherschraube montiert habe, einfach mal abgezogen das Ding. Funke wieder da. Zum Glück hatte ich den alten Becherkondensator dringelassen und ebenfalls mit einem Flachsteckeranschluss versehen. Umgesteckt, und weiter ging die Fahrt.

Das das "erfolgreiche" Umschalten auf Reserve eine falsche Fährte gelegt hatte, ist doch wieder mal typisch! Und dann kamen natürlich Erinnerungen hoch, dass vor 2000 km schon mal der Motor ohne erkennbaren Grund ausging, danach aber wieder lief. Etwas das sonst nie passiert während der Fahrt bei etwa 30, 40 Sachen.

Der WIMA hat ziemlich genau 10.000 km gehalten. Ich bin etwas ernüchtert, was diesen "Wunderwürfel" angeht.

Der lockere Stehbolzen sitzt nach der Tour übrigens immer noch fest. Vielleicht geht es ja doch mit der Teflonbandage.

Jan

Eppo

Hattest du beim Antreten mit dem defekten WIMA-Kondensator ein Unterbrecherfeuer gesehen?
Wenn kein Unterbrecherfeuer zu sehen war, kann es gut sein, dass der Kondensator durch die Isolierung (Dielektrikum) geschlagen hat, dann hat der Kondensator so gut wie keinen Widerstandswert und damit den Unterbrecher gen Masse kurz geschlossen.
Bei extrem Unterbrecherfeuer wäre dann der Kundensator mit erhöhtem Widerstand (z.B. defekte Drahtenden).

MfG
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Ehrlichgesagt habe ich nur auf die Kerzenelektroden geschaut, wo zuerst gar nichts und dann, mit abgezogenem Kondensator, ein kleines Fünkchen war. Und mit dem wiederangesteckten alten Becherkondensator war der Funke wieder prima.
Ich habe gerade die Kabel vom kaputten WIMA abgemacht und auf einen neuen, etwas breiteren MKP umgelötet, dieselbe Type, die auch in der 75/5 drin ist.
Da gerade das Harz trocknet stelle ich morgen mal Vergleichsbilder ein...

strichzwojan

#10
So, hier noch das versprochene Foto:

IMG_0056.JPG

Die Dinger sind gleichhoch, gleichdick, der eine hat aber 5mm mehr Breite und den Aufdruck P2 statt ND. Weiß da jemand, was die Kürzel bedeuten?

Hier noch ein link auf die Dateninfoseite von WIMA: https://www.wima.de/de/produkte/impulskondensatoren/mkp-10/

Sehr ausführlich...


Gruß, Jan

R25-2-3-7Hartmut

Die Kondensatoren sind für platineneinbau gemacht. Wie man aus den technischen Daten lesen kann sind sie nicht besonders Schwingungsfest. Daher halte ich sie für Einzylinder für ungeeignet. Gruß Hartmut

cledrera

Das sollte aber nicht am inneren Aufbau liegen, da dieser ähnlich ist.
Die starre Verdrahtung ist eher problematisch.
Du bist im Recht; nun sieh zu, wie du da wieder heraus kommst. (v. Chamisso)
Lieber Einzylinder als zwei Fallschirme (v. mir)

kahlo

Wenn kein Zündfunke kommt, müsste der Kondensator Durchgang haben. Kannst du das messen (Widerstand)? Einen kaputten MKP hab ich noch nie gesehen... Durchgeführte Tests laut Datenblatt:
Schwingen:
6 h bei 10 ... 2000 Hz und 0,75 mm
Auslenkung bzw. 10 g nach IEC 60068-2-6
Unterdruck:
1kPa = 10 mbar nach IEC 60068-2-13
Stoßtest:
4000 Stöße mit 390 m/s 2 nach
IEC 60068-2-29


Die IEC's gibt es nur für viel Geld. Wär ja noch schöner, wenn jeder die Normen kennen würde...

Grüsse,
Kahlo.

Eppo

Themperaturbereich laut Datenblatt mit 105°C sollte auch kein Problem darstellen.
Vielleicht eher ein Spannungsdurchschlag durch die Isolationsfolie.

@kahlo:
Mit Normen lässt sich doch gut Geld verdienen und man hat das Monopol, siehe DIN-Normen.
Jedes Jahr mal eine Zeile oder Wortlaut abändern und die betreffenden Gewerke brauchen wieder eine aktuelle Version  :thumbdown: .

BTW: Ich hab noch ein altes Tabellenbuch (Friedrich) da ist die DIN VDE 0100 noch abgedruckt drin.
Heutzutage würde die DIN selbst ein Buch so dick wie das Tabellenbuch füllen.

MfG
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

Fastnachter

Eines dieser ewigen "Müsste man mal machen" Projekt in meinem Kopf ist eine Adapterplatte, die die Kondensatoren a) festhält und b) einfach per Stecken / mit Madenschraube wechseln lässt. Dann wäre mir das relativ wurscht mit dem "nur 10kkm". Bei einem Euro kosten und dann einer Wechselzeit von 5 Minuten würde ich mir halt 1 oder 2 ins Bordwerkzeug legen. Vielleicht will ja mal jemald was skizzieren wie sowas aussehen könnte. Schmierzettel reicht ja zum Überlegen.

Gruß

Jan.
"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen." (Kurt Marti)

strichzwojan

#16
Messen kann ich den alten MKP leider nicht mehr, er ist schon in der Mülltonne. Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, habe ich den damals, genau wie den Neuen jetzt, elektrisch und mechanisch sauber gefertigt (verlötet, Schrumpfschlauch, Harz).

Gibt es vielleicht einen Zusammenhang beim Ausfall, weil kürzlich mein Vape-Regler die Grätsche machte (Rückstromdiode defekt, Batterie über Nacht tiefentladen)?

Zum Thema Vibrationen: Ich hatte schon bei der Erstmontage vor 10.000km darüber nachgedacht, den WIMA einfach zwischen die Kabel in den kleinfingerdicken Spalt zwischen Außengehäuse und Stator zu schieben. Vielleicht werde ich das nun so machen.
Montiert war der WIMA mit einem Kabelbinder an dem unteren Limadeckelhaltebolzen.

@Fastnachter    Der limitierende Faktor in Sachen Zuverlässigkeit sind tatsächlich die Pins, die etwa 0,8mm dünn sind. Deshalb die Harzvergießerei und die Abstützung mit Schrumpfschlauch. Je starrer die Anbringung, desto fehleranfälliger wird das wohl sein. Ich habe einen female-Flachsteckeranschluss an der "Unterbrecherschraube", in den dann der male-Stecker am Kondensatorkabel kommt. Dazu gibt es noch einen 5mm-Ringkabelschuh am Massekabel des Kondensators. Das ist wirklich in Sekunden gemacht bzw. gecheckt, vor allem, wenn noch der alte Becherkondensator als stille Reserve montiert bleibt.

Übrigens kann man bei 10.000 km Laufleistung des WIMA eigentlich ja gar nicht meckern!
Es kommt also wieder ein WIMA hinein. Und dann schauen wir mal...

CHAMBONDU

Hallo Zusammen

Ich hatte diese Montage in der Lima durchgeführt und dabei zwei Schrauben verwendet. Ich weiß nicht, ob der Kondensator länger hält  ?

Jean-Claude

cledrera

Du bist im Recht; nun sieh zu, wie du da wieder heraus kommst. (v. Chamisso)
Lieber Einzylinder als zwei Fallschirme (v. mir)

strichzwojan

Ich habe mich entschieden. So wird es aussehen. "WIMA im Korkbrötchen".

strichzwojan

So sieht ein WIMA-MKP übrigens von innen aus.
Einmal mit der Monierzange ran und zack:IMG_0059.JPG

und noch ein Perspektive: IMG_0060.JPG

Sieht nicht besonders vibrationsgefährdet aus.

Jan




Eppo

Welchen Tod der Kondensator gestorben ist, hätte man einfach messen können (Ohmmeter).
- Widerstandsmessung hat Durchgang -> Isolationsfehler (Isolierstoff durchgeschlagen, Spannungsspitze)
- Widerstandsmessung hat permanent overflow (egal wie rum gepolt wird) -> mit großer Wahrscheinlichkeit Leitungsbruch

oder im eingebauten Zustand:
- kein Zündfunken -> Kurzschluss im Kondensator (Isolierstoff durchgeschlagen)
- sehr starkes Unterbrecherfeuer -> Kondensator mit Leitungsbruch (Vergleich mit Unterbrecherfeuer ohne Kondensator)

Entsprechend kann man dann die Maßnahmen ableiten.
Derzeit sieht es wieder nach "run to fail" aus.

Bzgl. Vape-Ausfall:
Sollte die ungeregelte Gleichspannung an der Lichtmaschine weit unter der Spannungsfestigkeit des Kondensators liegen.

MfG
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Nachdem ich den kaputten Kondensator im Müll wiederentdeckt hatte, habe ich an den abgebochenen Stummeln (ich habe die alten Kabel wiederverwendet) mit dem Ohmmeter keinen Durchgang gemessen (Messbereich 200 Ohm). Wir werden es ja sehen, ob der Fehler doch noch woanders sitzt.

Borgward

hast du auch noch die Kapazität gemessen?

strichzwojan

Nein.
Gerade komme ich von einer 45 km - Probefahrt zurück. Alles läuft gut.

Jan

Borgward

..bei uns bricht der Föhn gerade zusammen...

Kees

Wann er Ohms unendlich ist, wird er auch kein Kapazität haben (weil ein Anschluss abgebrochen ist).

bullet

Mir wären die 400V Spannungsfestigkeit zu knapp.  Gibt es die Dinger nicht auch mit 1kV?  Und vielleicht noch einen 0,1 Ohm Widerstand in Reihe schalten, um den Strom beim Schließen des Kontakts zu begrenzen.  Bei Kondensatoren brennen gerne die Kontaktstellen der Anschlußpins zum Wickelpaket weg.

Grüße!
Bullet

CHAMBONDU

Guten tag zusammen

Ich habe eine Transistorbox für die Zündung eingebaut. Ich habe die Kontakstellen überprüft und sie sind nicht markiert.

Jean-Claude

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