Gewichtige Frage zu Reifen....

Begonnen von strichzwojan, 21 August 2023, 09:45:55

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strichzwojan

Aus verschiedenen Gründen interessiere ich mich für Reifengewichte. Nicht die zum Auswuchten sind gemeint, sondern wie schwer Reifen waren / sind.

Der Aufbau von Karkassen hat sich ja verändert. Früher standen so Sachen wie "4 Plies Rayon" auf der Flanke, heute "3 Plies Polyamid". Und das bei unveränderter Profiloptik! Ich vermute mal, dass Reifen heutzutage leichter sind.

Ich bin leider kein Reifenfachmann und kenne auch niemanden in diesem Bereich. Trotzdem mache ich mir so meine Gedanken über Luftdruck, Flankenstabilität, Kreiselkräfte.

Hat hier im Forum vielleicht jemand ein ganz altes Schätzchen, das noch als Deko aufgehoben wurde, was er mal auf eine Waage stellen könnte?

Ich fange hier mal mit einem ganz aktuellen Mitas H0-1 aus 2022er Produktion an. Größe 3.25 - 19, fabrikneuer Zustand:  3,79kg auf einer digitalen Küchenwaage. Der Reifen ist übrigens so gut, dass ich ihn nachgekauft habe. Er wird in absehbarer Zeit hinten den Heidenau ersetzen.

Danke,

Jan

strichzwojan


strichzwojan

#1
Schade, dass hier keinerlei Rückmeldungen kommen... Keiner mit einer alten Pelle hier, der mal die Waage bemühen könnte?

Ich aktualisiere hier aber aus einem anderen Grund. Letzten Herbst habe ich die Strichfünf mit nagelneuen ContiGo in zöllig bereift, und bin echt begeistert vom Handling. Die Kiste ist wirklich nicht wiederzuerkennen im Vergleich zum vorher m0ntierten Dunlop Streetsmart.
Nun habe ich mal bei mopedreifen.de geschaut, ob der Reifen in der Größe noch lieferbar ist, weil Conti das Profil angeblich auslaufen lässt und bereits ein Ersatzprofil am Start hat.
Da sah ich einen Warnhinweis, dass in den USA dem ContiGo die Zulassung entzogen wurde, weil sich Risse in der Lauffläche bilden können. Der Reifen darf dort ab sofort nicht mehr montiert werden.
Und was macht Conti? Laut Hinweis des Reifenhändlers werden in den USA lagernde Reifen zurückgeholt, die DOT-Nr., die zur europäischen Benutzung nicht gebraucht wird, händisch entfernt und hier am Markt verkauft...

Zwei Dinge finde ich bemerkenswert. Wie "deutsche" Premiumhersteller unverfroren den Profit über die Erkenntnisse und Entscheidungen von ausländischen Behörden stellen (erinnert mich an den Diesel-Software-Skandal).
Noch bemerkenswerter finde ich den rotgedruckten Warnhinweis auf der website von Mopedreifen.de. Hier geht ein Händler maximal transparent mit dem Thema um, was auf mich extrem selbstbewusst, verantwortungsvoll und vertrauensbildend wirkt.

Wie dem auch sein mag: der Reifensatz bleibt drauf, ich werde das gute Fahrverhalten genießen und mit einem leichten Bauchgrimmen das Profil immer wieder auf Risse untersuchen.

Gruß, Jan

Edit: ich wollte hier keinen link zum Händler anbringen, aber das geschah automatisch, wie ich gerade sehen musste.

Eppo

Moin Jan,
ich könnte dir zwei Infos liefern,
einmal den alten Reifen von meiner R25 und dann ist auch noch ein Reifen von der R35 vorhanden (russisches Fabrikat).
Ich schau nach dem Frühstück mal in die Garage.
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Zitat von: Eppo am 26 August 2023, 08:42:50Moin Jan,
ich könnte dir zwei Infos liefern,
einmal den alten Reifen von meiner R25 und dann ist auch noch ein Reifen von der R35 vorhanden (russisches Fabrikat).
Ich schau nach dem Frühstück mal in die Garage.

Super!

Eppo

Also folgende Werte:
Continental Universal 3,25-19: 3,94kg Abrollumfang:203,5cm
Russischer Reifen 3,25-19: 4,36kg Abrollumfang: 204,5cm

Links der Conti, rechts der Russe mit deutlich gröberen und noch mehr Profil.

IMG_20230826_134723.jpg

MfG
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Danke Dir! Schön, dass das auch 3.25 - 19er sind...
Dieses russische Profil hatte ich als Erstbereifung auf meinem Seitenwagenrad beim Guzzi-Gespann. Da war ein Ish-Jupiter montiert.

Gruß, Jan

schraubenkoenig

ich hab noch zwei uralte pickelharte Conti in 3,5x18" im Schuppen hängen. So alt, daßmnoch kein Herstelldatum drauf ist.Also ca 40 Jahre. Willst du einen?

strichzwojan

Wenn du die mal wiegen könntest und hier die Ergebnisse mitteilst, dann freue ich mich.

Danke und Gruß, Jan

rolf.soler

Ich geb die jeweils meinem Schwiegervater, für Zaunpfähle, Pfosten, damit sein Mercedes nicht weitere Beulen kriegt...
Aber vielleicht liegt noch ein Metzeler Block C oder Heidenau rum, mal nachsenen

bullet

Zitat von: strichzwojan am 21 August 2023, 09:45:55Früher standen so Sachen wie "4 Plies Rayon" auf der Flanke, heute "3 Plies Polyamid".

Rayon ist eine Zellulosefaser, die aufquellen kann, wenn sie naß wird.  Bei Beschädigungen kann Wasser in den Reifen eindringen und Beulen verursachen.  Polyamid kennt man auch als Nylon, das ist wasser- und ölfest, da passiert das nicht.

Ohne die Webart und die Garnstärke zu kennen, lassen sich keine Aussagen treffen, ob vier Lagen hiervon und drei Lagen davon besser oder schlechter sind.  Der Hersteller wird schon darauf achten, daß die mechanischen Eigenschaften hinreichend (gleich) sind.  Wenn nicht, wechseln die Kunden die Marke.

Nach Tagen des Nachdenkens ist mir immer noch nicht klar, was Du mit dem Reifengewicht anfangen willst.  Außer zur Lust am Datensammeln taugt das doch nur für die Ermittlung von Versandgebühren, oder?  Neue und abgefahrene Reifen haben naturgemäß verschiedene Gewichte, da fehlt halt einiges an Gummi.  Ohne die gleichzeitige Erfassung der Profiltiefe kann man überhaupt nichts vergleichen.

Was den Verkauf von Rückrufreifen aus den USA angeht: Der Hersteller ist sich offenbar sicher, daß diese Risse keinen Mangel darstellen.  Man darf nicht vergessen, daß in den USA die harmlose Citroen 2CV verboten war, weil angeblich unsicher.  Irgendwelche Unfälle aufgrund der speziellen Fahrwerkseigenschaften hat es aber nie gegeben.  Bei der Herstellung wird der Reifenunterbau, also der eigentliche Reifen, zuerst fertiggestellt, dann wird die Lauffläche, die die Reifenbäcker "Protektor" nennen, aufvulkanisiert.  Bilden sich nur im Protektor Risse, bleibt der Reifen darunter aber intakt.  Ein solcher Fehler ist eher kosmetischer Art.  Kaufen würde ich solche regelrecht recycleten Reifen aber nur, wenn sie verbilligt angeboten werden.  Es gibt ja genug Auswahl auf dem Markt.

Grüße!
Bullet

4Taktix

Wenn es um's Gesamtgewicht vom Krad geht:
Ich hatte zu meiner Lehrzeit einen Kumpel mit einer Honda XR600 - das war schon die "Competition"-Ausführung,
mit nur Ein-Personen-Zulassung, weil das Heck und einiges Andere stark erleichtert war und daher nicht für das
Gewicht eines Sozius tauglich erachtet wurde.
Er wollte es noch leichter, und jede Woche sah ich Ihn in der Mittagspause irgendwas ab-, kürzer-, oder dünner
flexen - bis es absolut unsinnig und riskant wurde.
"Ja, jedes Gramm zählt" war stets seine Antwort auf meine kritischen Nachfragen.
"Mann - geh' einfach vorm Crossen auf'n Pott ! spart mindestens 500 Gramm !" war mein Kommentar...
Think outside the box !

strichzwojan

Es geht mir nicht um Gewichttuning (da sollte ich eher an anderer Stelle ansetzen ;)  ;) ), sondern um die Frage, inwieweit z.B. Klassiker wie der Block C oder der Avon Speedmaster bei gleichem Aussehen sich bis heute technisch, auch gewichtsmäßig verändert haben. Und besonders darum, wie heutzutage mit dem Luftdruck reagiert werden sollte. Ob die Kreiselkräfte bei größerem Gewicht den Geradeauslauf stark beeinflussen.
Das mit dem Unterschied zwischen Rayon und Polyamid ist doch sehr interessant. Ein bisschen wie 80er Jahre Spritzspachtel und modernes Zeug...

Gruß, Jan

bullet

Zitat von: 4Taktix am 30 August 2023, 00:32:00spart mindestens 500 Gramm !

In Hessen redet man eher von "sechs Pfund ohne Knochen".  Think big.  8)

Zitat von: strichzwojan am 30 August 2023, 07:38:38Ob die Kreiselkräfte bei größerem Gewicht den Geradeauslauf stark beeinflussen.

Die Kreiselkräfte sind nicht so groß bei den Geschwindigkeiten, die ein Einzylinder erreicht.  Die Kräfte aus der Geometrie (z.B. Nachlauf) sind größer und dominant.  Die möglichen geringen Gewichtsunterschiede machen da kaum was aus.  Der Luftdruck hängt auch eher von der Beladung ab.  Veränderungen an einem bestimmten Reifenmodell machen wohl auch nur wenig aus.

Die einzige signifikanten Änderungen der letzten Jahr(zehnt)e konnte ich bei Pkw-Reifen beobachten, allerdings sind das Radialreifen und nur eingeschränkt vergleichbar.  Man verzichtet auf Stahlgewebelagen in der Seitenwand.  Dadurch kriegen die Reifen kaum noch Standplatten.  Zudem werden insbesondere Sommerreifen mit weniger Gewebelagen in der Seitenwand gebaut, wodurch die Walkarbeit sinkt.  Folglich werden die als Energiespar-Reifen vermarktet.  Hier mußte ich bei mehreren Fabrikaten den Druck um mindestens 0,2 bar erhöhen, damit die Lenkung nicht schwammig wurde.  Was man früher für Winterreifen empfahl, gilt heute eher für Sommerreifen.

Grüße!
Bullet

Taz

#13
Weil ich sie gerade liegen habe:
Heidenau K34 (je zwei pro Größe, brandneu):
3.25x18 4100gr, bzw. 4130gr
3.00x19 3800gr, bzw. 3870gr
Life's a bugger, and then you die

auf Tour:
Northumbria (2025)
Northumbria (2024)
Zipfelreise (2019)
Cymru "Radnor Revivals" (2016)
Alba "Isle of Skye" (2013)
Austria Großglocknerhochalpenstrasse (2012)
Alba "Spittal of Glenshee" (2011)

rolf

Zitat von: bullet am 31 August 2023, 23:17:22In Hessen redet man eher von "sechs Pfund ohne Knochen".  Think big.  8)

Die Kreiselkräfte sind nicht so groß bei den Geschwindigkeiten, die ein Einzylinder erreicht.  Die Kräfte aus der Geometrie (z.B. Nachlauf) sind größer und dominant.  Die möglichen geringen Gewichtsunterschiede machen da kaum was aus.  Der Luftdruck hängt auch eher von der Beladung ab.  Veränderungen an einem bestimmten Reifenmodell machen wohl auch nur wenig aus.

Die einzige signifikanten Änderungen der letzten Jahr(zehnt)e konnte ich bei Pkw-Reifen beobachten, allerdings sind das Radialreifen und nur eingeschränkt vergleichbar.  Man verzichtet auf Stahlgewebelagen in der Seitenwand.  Dadurch kriegen die Reifen kaum noch Standplatten.  Zudem werden insbesondere Sommerreifen mit weniger Gewebelagen in der Seitenwand gebaut, wodurch die Walkarbeit sinkt.  Folglich werden die als Energiespar-Reifen vermarktet.  Hier mußte ich bei mehreren Fabrikaten den Druck um mindestens 0,2 bar erhöhen, damit die Lenkung nicht schwammig wurde.  Was man früher für Winterreifen empfahl, gilt heute eher für Sommerreifen.

Grüße!
Bullet

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