Frage zum "Nachdieseln" bei Hitze

Begonnen von strichzwojan, 09 September 2026, 08:25:15

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

strichzwojan

Angeblich ist das ja bei den R25 und R25/2-Modellen ein Thema gewesen. Jedenfalls von BMW selbst auf den Tisch gebracht in Werksmitteilungen Anfang der 50er Jahre.
Da wurde dann auch empfohlen "bei den derzeitigen sommerlichen Temperaturen" den ZZP von 7 auf 5 Grad vorzuverlegen.

Da ja mittlerweile (sorry, Kahlo...) jedes Jahr massenhaft "Ü30-Tage" sind wollte ich mal dem Forum die Frage stellen, ob jemand dieses Nachlaufen des Motors nach "Zündung aus" von seiner eigenen Maschine her kennt?
Ich habe es jedenfalls noch niemals, auch unter den heißesten Bedingungen (August in Spanien und Nordafrika) erlebt.
Lediglich ein paar kleine Räusperer im Leerlauf und natürlich einen gewissen Leistungsverlust konnte ich feststellen.

Natürlich sind wohl mittlerweile alle fraglichen Maschinen mit richtigem Zündzeitpunkt, guten Kerzen und Zündspulen unterwegs ( ;) ), aber

Gibt es von irgendwem Eigenerfahrungen hierzu?

Jan

strichzwojan



4Taktix

Als ich mitte der 80er meine /3 bekam, hatte ich das einige Male, dass sie nach Abziehen des Schlüssels
noch ein bis drei Zündungen machte.
Frag mich jetzt nicht nach ZZP, Kerze, Gemisch - es ist zu lange her. Ich war jung und es gab kein Forum.
Was ich noch weiß: ZK war blankes ALU ("silbern") und es "patschte" bei "Gas zu" im Schiebebetrieb zuverlässig
aus dem Auspuff. Leerlaufgemisch war wohl tendentiell eher mager, höchstwahrscheinlich war damals auch der
Krümmer und Auspuff nie 100%ig "dicht".
Worum geht es Dir denn genau ?
Ob es das überhaupt gegeben hat, oder um die Umstände, unter denen das auftrat ?
Think outside the box !

strichzwojan

#2
Man kann ja an unseren leistungsschwachen Einzylindern immer sehr schnell sehen, wenn etwas nicht optimal läuft. Da langt ja schon der Vergleich zwischen einer sommerlichen Morgenrunde bei 18 Grad und derselben Strecke dann nachmittags bei 34...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass BMW da eine "rufschädigende" Märchenstunde abgehalten hat, indem eine entsprechende Werksmitteilung in Umlauf kommt.
Da ich immer gerne weiß, ob bestimmte Bereiche des Motors "auf Kante genäht" sind, wollte ich einfach mal wissen, ob andere solche Probleme aus eigener Erfahrung kennen.
Nicht umsonst machen ja einige Strichzwei- und Strichdreifahrer*innen in Sachen Kühlungsoptimierung das volle Programm.  :)  Ute zum Beispiel.

4Taktix

Alles klar, verstehe. Ich sehe die Gestaltung des Auslasskanals bei der /3 ziemlich "auf Kante genäht" an.
Die BMW-Ingenieure waren sich dessen wohl bewusst und haben deshalb bei /3 den Krümmer über den Flansch hinaus
bis in den Auslasskanal laufen lassen - zur besseren Wärmeabfuhr. Oder es war eine "Reaktion" auf Kundenbeschwerden
noch von der /2 - eben wegen dieses "Nachdieselns".
Die /2 waren bereits zahlreich im Umlauf, ein geänderter Kopf plus Krümmer plus Schalldämpfer etc. wäre zu aufwändig
und kostspielig gewesen, bleibt als einfache, nachträgliche Maßnahme der schwarze Kopf.
Und was bei /2 hilft, hat man dann in der Serie für /3 übernommen.
Offenbar war es aber thermisch dennoch nahe des Grenzbereichs, und als dann bei der 26 durch einen größeren Vergaser
und weiter erhöhte Kompression (neben anderen Änderungen) mehr Leistung erzeugt werden sollte,
konnte man am Reißbrett schon von erhöhter Hitzeentwicklung ausgehen und hat dementsprechend die Kühlfläche des
Kopfes großzügig komplett vergrößert. Offenbar in einem Maße, dass eine Schwärzung des Kopfes nicht mehr nötig war.
So in etwa halte ich das für durchaus plausibel - wissen tu ich's natürlich nicht.
Dennoch schadet es zumindest nicht, wie auch die Kühlsternmutter.
Die Kopftemperatur beeinflusst ja auch die Füllung - spricht also für "alles was geht" in Punkto Kühlung.
"Spürbar" oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.
Think outside the box !

berndr253

#4
Zwar fahr ich meine /3 (300 Kubik, langes Getriebe) nicht mehr so häufig wie in den vergangenen Jahren aber habe in der Vergangenheit keinerlei Effekte wie Nachdieseln oder Vergleichbares gehabt.
Auch nicht bei erhöhten Temperaturen in Spanien, Frankreich oder Portugal.

Bis auf ein abgerissenes Auslassventil in der "Anfangsphase" (so Mitte der 70er Jahre) keine Probleme die nicht von mir selbst verursacht wurden

Grusz

Bernd
Leben und Leben lassen

strichzwojan

#5
Zitat von: 4Taktix am 09 September 2026, 12:21:19"Spürbar" oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

Glaub mir, die Werkserprobung fand nicht aus Jux und Tollerei in den Voralpen und Alpen statt. Die einzige nennenswerte Erhebung bei dir in der Nähe dürften Wiehengebirge und Teutoburger Wald sein. Auch sehr schön. Kenn ich noch aus meiner Osnabrücker Zeit.

Wenn du Lust hast, bist du herzlich eingeladen mal ein Wochenende hier mit mir meine Lieblingsstrecken abzufahren.

Die Auslasskanalgestaltung mit dem in den Kopf hineinragenden Krümmer ist übrigens im Apfelbeck genauso empfohlen und auch beschrieben worden, mit einer Zeichnung des Strichdreikopfs! Wird also eher eine (zu aufwendige) Verbesserung sein. Und auf die Schwärzung des Kopfes wurde bei den Nachfolgemodellen wieder verzichtet, weil (Presseartikel, der auch bei uns unten verlinkt ist) die Kunden dies als "zu trist" empfanden... Was mir übrigens ähnlich geht. Aus dem Forum kam der Vorschlag, die Rippen nur von unten zu schwärzen, und genau das habe ich dann auch gemacht. Danke für den Tipp nochmal. Ich weiß nicht mehr, von wem das kam.

kahlo

Ich finde den schwarzen Kopf überhaupt nicht trist  :) .

Ich fahre ja eher bei kühlen Temperaturen. Dafür keine hohe Geschwindigkeit, aber viele Steigungen. Eine Sache ist mir aufgefallen: Die Ventildeckeldichtung ist wichtig! Ich hatte bei 3 über die Saison verteilten Fahrten eine Korkdichtung drin. Das hat immer zu kochendem Benzin in der Schwimmerkammer geführt. Der Tausch gegen die normale Hartgummidichtung hat das Problem sofort behoben. Die ist auch kein besonders guter Wärmeleiter, aber offensichtlich gut genug. Die R25/2 braucht anscheinend die Kühlwirkung der Ventildeckel...

Schorsch

Ventildeckeldichtung?

Die hat doch mal einer aus weichem Aluminium kreiert.
Ist doch ein guter Wärmeleiter.
Das Leben ist wie eine Brille.
Man macht viel durch.

(Heinz Erhardt)

strichzwojan

#8
Hab ich alles bei meiner gemacht. Alu-Hauben-Dichtung von Manfred, geschwärzte Hauben, Kühlsternmutter zum Direktaufschrauben (also KEINEN Überzieher), schwarze Rippenunterseiten beim Kopf, und dafür, dass ich in den Alpen fahre eine recht fette Abstimmung (24er Bing, 120er HD, Nadel 3. Kerbe von oben. ZZP auf 5 Grad v. OT statisch, Buxusblech, damit die Frühzündung etwas zurückgenommen wird.
Die gemessene Kompression ist 10,5 bar. Kolben aus Frankfurt.
Das läuft genauso, wie ich mir das vorstelle.

@kahlo  Zwischen Vergaserflansch und Zylinderkopf hast du aber schon eine isolierende Dichtung? Früher aus Pertinax, heute meist Kunststoff, ca. 5mm dick.

Nochmal zur Ausgangsfrage: außer Sascha keiner, der das mit dem Nachlaufen mal erlebt hat?

Schorsch

Na,

dann hast Du ja einen kühlen Kopf ! 😊

Ich erinner mich dunkel, sehr dunkel, Timmäh hatte mal eine Ventildeckeldichtung aus Alu mit zusätzlicher Kühlrippe erfunden.
Das Leben ist wie eine Brille.
Man macht viel durch.

(Heinz Erhardt)

Beppo

Zitat von: strichzwojan am 09 September 2026, 08:25:15Da wurde dann auch empfohlen "bei den derzeitigen sommerlichen Temperaturen" den ZZP von 7 auf 5 Grad vorzuverlegen.

Typische Kundenverarsche wie sie heute noch gemacht wird. Man wackelt mal mit dem Arsch und behauptet Problem gelöst.
Was soll bitte die Zündfrühverstellung gegen Nachdieseln helfen?? wenn der Zündnagel raus ist ist die Zündung ausser Betrieb.
Ich sehe die Ursache in der niedrigen Oktanzahl, heute sind wir weit höher. Die Oktanzahl sagt ja aus bis wie weit die Selbstzündung verhindert wird.
Ein weiterer Einfluß ist Ölkohle die zu Fehlzündungen führen kann. Das könnte heute noch relevanter sein als in alter Zeit. Heute fahren die meisten Mehrbereichsöle welche Polymere als Additive besitzen um die Viskosität zu garantieren.
Da unsere alten Motoren konstruktionsbedingt mehr Öl verbrennen bilden diese Polymere Asche/Kohle welche im ungünstigen Fall ungewollte Zündungen verursachen.
Ausser dem klassischen Schlusspfuff aus dem Vergaser hatte ich noch nie etwas nach dem Abstellen.
Stau hinten ist blöd, vorne aber gehts .

Taz

Zitat von: strichzwojan am 09 September 2026, 11:40:33... Nicht umsonst machen ja einige Strichzwei- und Strichdreifahrer*innen in Sachen Kühlungsoptimierung das volle Programm.  :)  Ute zum Beispiel ...

Die hats vor allem gemacht, weil sie's konnte...geschadet hat es nicht, aber es fahren genug R25/3 ohne den ganzen Klimbim in aller Welt herum, die dem Anschein nach auch keine Probleme hatten....
Wobei ich mich bei der Zipfelreise 2019 und den Temperaturen schon wohler gefühlt habe in den Wissen, daß ich meinen Motor alles gegönnt habe, was zur Wärmeabfuhr beitragen konnte.

Weder der Originalmotor noch der Ersatz haben auf inzwischen deutlich über 60Mm jemals nachgedieselt...
Life's a bugger, and then you die

auf Tour:
Northumbria (2025)
Northumbria (2024)
Zipfelreise (2019)
Cymru "Radnor Revivals" (2016)
Alba "Isle of Skye" (2013)
Austria Großglocknerhochalpenstrasse (2012)
Alba "Spittal of Glenshee" (2011)

bullet

Beppo ist auf der richtigen Spur.  Früher gab es mehr Ablagerungen im Motor von Öl und Bleibenzin.  Das kann zu Glühzündungen führen.  Die damaligen Benzine hatten sehr niedrige Oktanzahlen und damit eine große Zündwilligkeit.  Diese hat man mit größeren Mengen Bleitetraethyl gewissermaßen maskiert, damit es im Motorbetrieb nicht zum Klopfen kommt.  Beim Nachdieseln schlägt die ursprüngliche Zündwilligkeit des Benzins durch, der Bleizusatz wirkt hier kaum.  Die heutigen Benzine haben eine "echte" Oktanzahl und damit geringere Zündwilligkeit.  Da ist Nachdieseln kaum noch ein Thema.

Nachdieseln hatte ich kürzlich bei einem Motor, der einen Holzspalter antreibt.  Bei 35°C und Windstille lief der Motor unter hoher Last, und stand dabei in einer Wolke aus Abgas und heißer Kühlluft.  Der Motor ist dabei trotz Gebläsekühlung sicher sehr heiß geworden.  Beim Abstellen der Zündung gab es noch ein paar harte Zündungen bis der Motor stand, wahrscheinlich verursacht durch das glühende Auslaßventil.

Hauptmenü

Anleitungen & Bücher Baureihe Specials Startseite Vergleichsliste

Presse & Wissen

Bauzeiten & Stückzahlen Historisches Liste der BMW Modelle Presseberichte Prospekte & Plakate

Foren & Literatur

Bildergalerie Bildtafel-Suche Forum: Boxerforum Handbücher Servicedaten

Allgemeine Infos

Bildtafelsuche Glossar Impressum Kontakt Sitemap

Tipps & Service

Dienstleister Händler Märkte & Museen Tipps Verschleißteile & Werkzeuge