Fuß-Schaltwippe R25/2 California...

Begonnen von strichzwojan, 06 März 2022, 10:44:30

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strichzwojan

Hallo,

die Leistung unserer Maschinen erfordert (zumindest hier in Tirol) häufiges Schalten. Da ich nach einem blöden Erlebnis mit einem großen Gusseisentopf Probleme genau an der Stelle habe, wo der Schalthebelgummi beim Hochschalten den Fuß berührt, erinnerte ich mich an meine Moto-Guzzi-Zeiten.

Die Idee war, ein Wippe zu bauen, wo nur noch getreten werden muss. Limitierender Faktor nach hinten ist der Kickstarter. Bevor ich da eine Klapp-Scharnier-Konstruktion verwirkliche, wollte ich erstmal sehen, was mit einem kurzen Stummel zu machen ist. Das Ende der Fahnenstange sind 9,3cm Wirklänge zwischen Schaltwellenmitte und Mitte des Hackenbolzens.
Die Länge vom Originalschalthebel (Mitte Gummi bis Mitte Schaltwelle) ist 15 cm.
Das angeschweisste Flacheisen (5,4mm x 25mm) ist um 35 Grad abgewinkelt, um um das Getriebe herumzukommen. Das Eisen ist 5 Grad gegenüber dem Fußhebel nach oben geschwenkt, außerdem ebenso 5 Grad nach innen ab dem Knick, damit der Stiefel da mehr Platz kriegt. Eine gute Peilhilfe beim Überlegen war übrigens ein 15mm Forstnerbohrer, der genau in das Hebelauge passt. Hinten ist vorerst eine M10-Schraube mit Gummischlauch montiert, und zwar so weit hinten, wie es nur ging. Wie gesagt: 9,3cm Wirklänge. Die Wippe wiegt nun 350g, der Originalhebel 205g mit Gummi. Der Fahrversuch steht noch aus.
Das Ding ist als Versuchsträger anzusehen, um erstmal die Funktionsmöglichkeiten auszutesten.

In etwa zwei Wochen habe ich Zeit, damit auf die Straße zu gehen.

Danke nochmal an Manu, der den Hebel gegen Forumsspende zu Verfügung stellte!

Jan

strichzwojan


Anulu

Goil!

Bin gespannt!

Immer wieder (!) gerne.
Gruß Manuel



Rock or Bust!

mekgyver

Also, wenn einer eine Idee hat, was zu verbessern und es dann hier präsentiert,
dann ist es mir einen Karmapunkt wert !

Immerhin sind solche Beiträge , aus meiner Sicht, das Salz in der Suppe dieses Forums !

Diese ganze Empörungs-Szenerie ist es definitiv nicht, diese kotzt mich doch deutlich an.

Gruß mek  :schrauber:  :bike:  :prost:
... 73er-Gang

rolf

bin etwas überfordert....wo ist/steht dann diese "Empörungsszenerie"?

Rawost

Zitat von: rolf am 06 März 2022, 21:13:24
bin etwas überfordert....wo ist/steht dann diese "Empörungsszenerie"?
Ich weiß, was er meint
Und halte die Empörung für berechtigt
Gruß
Rainer
If you want to be happy for a day, drink. If you want to be happy for a year, marry. If you want to be happy for a life time, ride a BMW

Karl

Bitte beim Thema bleiben - es geht in diesem Thread um "Schaltwippen".
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RolfD

Klasse Idee, das Ding, find ich übrigens..... !!

rolf.soler

Jas, ich hab so eine ähnliche Wippe am Chinesengespann (dort Serie...ws. kopiert von R71 - hatte die das auch ?), ist wirklich ganz praktisch.
Da bin ich gespannt wie das funktioniert; gute Idee Jan. :blumen:

strichzwojan

Heute habe ich die Schaltwippe montiert. Man sieht auf den Bildern sehr gut, wie knapp das alles ist - wie gesagt wollte ich erst einmal das maximal Mögliche an Hebellänge realisieren. Es lässt sich (im Stand) alles gut schalten. Da ich auch ab und zu in den Rasten stehend fahren können will, musste ich einen Kompromiss finden bei der Position des Hackenauslegers. Schließlich soll da nicht unfreiwillig hochgeschaltet werden ohne Kupplung...
Der Kickstarter geht wirklich mit nur 2mm Freigang an der Wippe vorbei. Wenn man den hinteren Ausleger noch etwas höher anwinkelt, dann wird wahrscheinlich die Getriebeöleinfüllschraube verdeckt. Dann müsst man zum Ölwechsel den Schalthebel in der Position "heruntergetreten" fixieren, was aber sicher kein Problem ist. Die M10 Schraube sitzt in einem Gewinde im Flacheisen, von hinten sitzt ein Stoppmutter drauf, die mit der Flex zum Getriebe hin etwas abgeschliffen werden musste. Wenn die optimale Knubbellänge gefunden wurde, dann wird das von hinten verschweißt.
Und es spielt eine Rolle, ob man mit flachen Schuhen oder mit Absatzstiefeln der gröberen Art fährt. In den nächsten Tagen folgt der Versuch auf der Straße. Vor allem will ich wissen, wie "gefühlvoll" es sich mit dem Hackenteil hochschalten lässt. Im Stand konnte ich keinen großen Unterschied feststellen.



Gruß, Jan

Anulu

Tolle Lösung Jan!
Wenn das so passt kannst du ja auch ein Gewinde in den Stahl schneiden und die Mutter weglassen und von hinten verschweissen. Dann hast du noch etwas mehr Platz zum Getriebe.

Gruss Manu
Gruß Manuel



Rock or Bust!

strichzwojan

Manuel, ein M10er Gewinde ist ja schon drin im Flacheisen, übrigens nur mit dem zweiten Vorschneider gemacht, damit die Schraube bzw. der Bolzen schön spack drin sitzt! Apropos spack: das Auge des Schalthebels, den ich von dir habe, ging auch nach dem Schweißen saugend über die Schaltwelle drüber. Da hatte ich mir ein bisschen Sorgen gemacht wegen Verzug oder Schweißperlen.

Anulu

Gruß Manuel



Rock or Bust!

Eppo

Schicke Arbeit  :thumbup:
Hoffe auf ein entspanntes Schalten  :bike:
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

cledrera

Du bist im Recht; nun sieh zu, wie du da wieder heraus kommst. (v. Chamisso)
Lieber Einzylinder als zwei Fallschirme (v. mir)

strichzwojan

#14
Jaaaaa.... Heute die Maschine angemeldet und gleich gefahren. Es funktioniert großartig. Der "Hackenhebel" kann so allerdings nicht mit der Hacke bedient werden, ohne den Fuß von der Raste zu nehmen. Besser geht es, wenn der Vorderfuß von der Raste nach hinten gezogen wird und dann den Gang hineintritt. So hat man einen Hybridschalthebel. Man kann den Schalthebel so benutzen wie immer, oder aber mit dem hinteren Ausleger, so dass nur noch getreten wird beim Gangwechsel. Dadurch ist das Schaltgefühl sehr ähnlich, wie es immer war.
Die Gänge flutschen sehr schön rein, ohne mehr Krach oder Kraftaufwand. Auch in den Rasten fahren ist gut möglich, ohne Verrenkungen oder unfreiwillige Gangwechsel.
Ich bin nun beruhigt, dass mein Fuß nicht mehr der limitierende Faktor in Sachen Fahrfreude ist, denn es kamen im Schnitt in den letzten drei Jahren pro Saison etwa 3.300 km auf Tiroler Landstraßen zusammen.
Auf der Rückfahrt noch bei Gummi-Winkler und Eisen-Blasy ein schönere Schraube und einen passenden Gummischlauch mit 10mm Innendurchmesser besorgt. Ich denke, ich lasse das jetzt so. Das mit dem Verschweißen der Schraube würde bedeuten, dass man da nichts mehr ändern kann. Vielleicht probiere ich noch einen kleinen Winkel aus, der nach oben geht und die Betätigung mit der Hacke ermöglicht.
Je länger ich nachdenke, wie das vor 33 Jahren an meiner Guzzi war, desto überzeugter bin ich, dass auch dort mein Fuß die Wippe nicht mit der Hacke, sondern vorne und hinten mit dem Vorderfuß bedient hat.

Und wie in der letzten Saison stelle ich fest, dass winterliche Umbauten wegen der Neugier des Fahrers zu früherem Saisonbeginn führen...

Jan


4Taktix

Think outside the box !

Micha

Da werden Erinnerungen wach...

Inspiriert von der Schaltwippe an meiner R100RS habe ich dann ganz früher mal eine für die R25/3 aus Alu-Teilen gelötet (ernsthaft!), hinterer Ausleger etwas nach oben gewinkelt, ließ sich dann gut mit dem Hacken schalten.

Sollte seinerzeit den Stiefel schonen, nun denn, war irgendwann nicht mehr so ausschlaggebend und der normale Hebel kam wieder zum Einsatz. An der Tausender ist die Schaltwippe noch in Gebrauch, da schlägt dann aber der "Anwerferhebel" drauf wenn er im Fall einer schwächelnden Batterie mal gebraucht wird. Muss man drauf achten, sonst ist evtl. bei anspringender Karre gleich schon der 2. Gang drin...

Gruß

Micha

rolf.soler

Zitat von: strichzwojan am 14 März 2022, 13:26:37
Jaaaaa.... Heute die Maschine angemeldet und gleich gefahren. Es funktioniert großartig. Der "Hackenhebel" kann so allerdings nicht mit der Hacke bedient werden, ohne den Fuß von der Raste zu nehmen. Besser geht es, wenn der Vorderfuß von der Raste nach hinten gezogen wird und dann den Gang hineintritt. So hat man einen Hybridschalthebel. Man kann den Schalthebel so benutzen wie immer, oder aber mit dem hinteren Ausleger, so dass nur noch getreten wird beim Gangwechsel.

Je länger ich nachdenke, wie das vor 33 Jahren an meiner Guzzi war, desto überzeugter bin ich, dass auch dort mein Fuß die Wippe nicht mit der Hacke, sondern vorne und hinten mit dem Vorderfuß bedient hat.

Jan
Ja, so ist das auch bei meinem Gespann; gibt verschiedene Möglichkeiten...vorne ziehen oder hinten treten. Geht aber hinten mit der Hacke bei mir
Da ist dann auch noch ein Umlegehebel für den Rückwärtsgang....linker Fuss ist da ziemlich multifunktional.
Super Idee ! Wann kommt die Serie ? ;D

strichzwojan

Also, die ersten 300 km sind rum. Ich bin zufrieden und werde es so lassen, auch das Verchromen wird vertagt. Das Aluspray auf dem Flacheisen harmoniert sehr schön mit dem Getriebe und dem Geldbeutel...
Die Materialstärken sind ausreichend, nichts hat sich bisher verbogen. Die Halbrundschraube ist eine 10.9er, etwas anderes gab es beim Schraubenhändler nicht. Die Schraube hat jetzt hinten eine Flachmutter plus flüssige Schraubensicherung bekommen. Der Freigang zum Getriebe ist knapp 3 mm.
Noch eine Anmerkung: Die Fußraste könnte nicht noch weiter nach hinten geschwenkt werden, weil sonst beim Hochschalten der Ausleger mit dem Rastenträger kollidiert. Die für mich (und wohl für fast alle) richtige Position ist mit dem Rastengummi auf Schaltwellenhöhe.

27-steib

nur noch bischen abrunden wie vorne- für die Optik  :)

Fastnachter

Tolle Idee, Jan, klasse umgesetzt!

Gruß

Auch Jan.

"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen." (Kurt Marti)

strichzwojan

Zitat von: 27-steib am 23 März 2022, 12:49:36
nur noch bischen abrunden wie vorne- für die Optik  :)

Vielleicht nächsten Winter... Also hoffentlich noch seeehr lange hin!

strichzwojan

Nochmal ein Update.

Ich habe doch noch einen Versuch gemacht, die Betätigung mit der Hacke hinzukriegen. Dazu bog ich aus Flacheisen einen Winkel, der etwa 6 Zentimeter nach oben reicht. Ein Stück Gummischlauch drüber. Funktioniert sehr gut. Allerdings wird der Platz knapper. Deshalb habe ich den Winkel dann noch mal etwas gekürzt auf 2,7 cm Hackenauflagelänge. Man kann durch diese Bauform den Stiefelabsatz ziemlich frei auf dieser Fläche positionieren, was angenehm ist. Irgendwann ist dann da der Kickstarter, an den sich der Fuß seitlich anlegt, wie an eine Leitplanke...
Natürlich könnte man den gesamten Ausleger ab dem Schaltwellenauge direkt schräg nach oben führen (habe ich mal mit einem Pappstreifen angedeutet und festgestellt, dass die Öleinfüllschraube noch zugänglich bleibt). Auch würde der Fußrastenträger nun in jeder Position montierbar sein.
Der große Nachteil wäre aber, dass der Stiefelabsatz sich nicht mehr so frei über dem Hackengummi positionieren könnte.
Deshalb lasse ich es jetzt so.

Die Fotos an der Maschine zeigen noch den langen Auflageteil. Der ist wie gesagt nun noch 1 Zentimeter gekürzt.
Ich wollte noch erwähnen, dass der Wechsel vom ersten in den zweiten Gang per Hacke doch lauter ist als mit der herkömmlichen Methode. Das kann man aber gut abmildern, indem man gleich im Zweiten anfährt...

Jan

strichzwojan

So, 4000 Saisonkilometer sind rum.
Nochmal ein paar Anmerkungen zu meiner Fußhebelwippe...

Funktioniert super, nichts verbogen, überlastet o.ä.
Der senkrecht stehende Teil mit dem Hackengummi war einmal lose, was aber eine Fertigungsnachlässigkeit von mir war: ich hatte die Bohrlöcher nicht entgratet, und so war die Kontaktstelle zwischen dem langen und dem kurzen Teil der Wippe sehr schmal. Nach dem Ansenken der Löcher und dem zusätzlichen Anbringen einer kleinen Madenschraube (M5) als Verdrehschutz sitzt das nun bombenfest.
Die Getriebebetätigung geht nach einer kurzen Eingewöhnungszeit genauso leise, wie mit dem normalen Hebel. Auch genauso schnell. Und das "normale" Schalten, wie vom Werk vorgesehen, ist weiterhin ohne Einschränkung möglich. Also ein Hybrid-Hebel...

Das größte Problem ist, dass ich am liebsten alle Mopeds in unserer Familie so umbauen möchte, was aber nur teilweise ginge. Am schwierigsten ist das beim R100 GS-Gespann, wo überhaupt kein Platz für sowas ist. Und der Hebel der Strichfünf ist aus Alu und so schön, dass ich da nicht herumschweissen lassen will. Außerdem wäre der Kickstarter nicht mehr zu benutzen, was mich nicht, aber vielleicht einen TÜV-Prüfer stören würde.

Wenn einer das Ding nachbauen will: das ist alles für Schuhgröße 44 gebaut.


Eppo

Super Jan  :thumbsup: ,
bin auch schon am Überlegen.
Schaltwippe ist echt lässig, gefiel mir schon vom ersten Tag an meiner Schwalli  ::) .
Nur die Zeit sitzt mir aktuell im Nacken, da kommt zuerst der Pflichtteil und wenn noch Zeit ist, dann die Kür.
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Wenn man mal schaut, welche Motorräder mit Schaltwippe angeboten werden... Es werden immer mehr!
Und das sind nicht mal unsportliche Modelle. Die Italiener haben früher öfters Schaltwippen an so kleinen Flitzern gehabt. Vielleicht, damit die schicken Halbschuhe oben keine Gummiflecken auf dem Leder kriegen... ;)

Jan

Stefan

Zitat von: strichzwojan am 17 Oktober 2022, 11:14:02Vielleicht, damit die schicken Halbschuhe oben keine Gummiflecken auf dem Leder kriegen... ;)

Für mehr Schräglagenfreiheit, weil der Fuß nicht unter dem Hebel stehen muß.

Gruß
Stefan
The evil is always and everywhere!

strichzwojan


Eppo

Mehr Schräglage bei SW-Betrieb 😆
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

strichzwojan

Und noch ein Argument pro Schaltwippe: damit ist es egal, wie dick, dünn, klobig das Schuhwerk ist. Ich erinnere mich noch an eine Skandinavienreise, wo die frisch gekauften Gore-Tex-Stiefel von BOY das Schalten sehr erschwerten.

Jan

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