R26 Pleuel ohne Pleuelbüchse, gibts das??

Begonnen von schlagi101, 01 Mai 2011, 20:26:20

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schlagi101

Hallo,

habe mir vor eine paar Wochen eine R26 gekauft und gleich bei der ersten Ausfahrt ging die Kopfdichtung flöten. Also habe ich mal den Kopf runter gemacht und auch die Ursache dafür gefunden, am Vergaserflansch war eine Gewinde hinüber daher Fremdluft => heiße Verbrennung => Kopfdichtung. Soweit so gut, da ich den Kopf schon mal runter hatte sah ich mir den Zylinder auch gleich an und beschloss in neu honen zu lassen. Jetzt das ungewöhnliche, als ich den Kolben abbaute sah ich dass das Pleul extrem dick und poliert ist. Aber was mich stutzige macht ist, dass es keine Pleuelbuchse hat sondern einfach eine Bohrung mit 20mm Durchmesser drinnen ist wo der Kolbenbolzen genau reingeht. Gibts sowas bzw. wurde mal ein Pleuel ohne Pleuelbuchse verbaut. Habe schon im Forum gesucht aber leider nichts dazu gefunden.

schlagi101



peter63

Ich vermute mal Alupleuel???

Das Pleulaugenlager ist nur gering belastet. Da wird des öfteren, auch heute bei den modernen Mopeds, drauf verzichtet.

Aber das wird sicher nur bei der R26 mit Alupleuel der Fall sein. Wo sind die Kenner???

LG Peter

schlagi101

Hallo,

danke für den Tipp mit dem Alupleuel. Kann leider erst am Freitag nachsehen ob es aus Alu ist. Aber gibt es überhaupt Pleuels aus Alu, denke da könnte es ja ein Problem mit der Festigkeit geben. In der Regel sind sie ja aus Stahl und geschmiedet um die Festigkeit nochmals zu steigern bzw. sind in Hochleistungsmotoren (Formel 1) ja oft Pleuel aus einer Titanlegierung verbaut wo doch Alu nur etwa die Hälfte wiegen würde.

Mfg Thomas

rolf.soler

prüf mal obs das Alupleuel ist...(Fotos einstellen...Magnet) Falls ja, denk ich Du solltest das besser wechseln...die haben sich nicht bewährt...mehr rütteln und Abrisse...schau mal in der Suche unter Alupleuel

Allerdings muss man dafür die ganze Kurbelwelle umbauen...andere Gegengewichte, Pleuellager,..

rolf.soler

Zitat von: schlagi101 am 01 Mai 2011, 20:56:41
. Aber gibt es überhaupt Pleuels aus Alu, denke da könnte es ja ein Problem mit der Festigkeit geben
wie recht Du hast....war ein Versuch bei den frühen R26, hat sich nicht bewährt

peter63

Da hast Du schon recht, aber unsere Möppelchen sind doch weit von Formel 1 weg  ;D

Alupleuel hat BMW auch nur in der R26 mal probiert. Ist dann aber aus Schmierungsgründen (Hubzapfengleitlager) wieder davon abgekommen.
Rollenlager für´s Hubzapfenlager würden beim Alupleuel auch einen eingepressten Lagerring erforderlich machen, und so deutlich grösser bauen.
Die Festigkeit von Alu reicht für unsere Ansprüche allemal.

LG Peter

sigi_rs

Hallo und guten Abend,

meine verflossene R26 war auch mit Alu-Pleuel ausgerüstet. Hat eigentlich überhaupt keine Probleme gemacht (zumindest das Pleuel nicht). Das wurde aber bald durch ein Stahlpleuel ersetzt.

Viele Grüße
Jörg

schlagi101

Hallo,

Vielen Dank für die Antworten! Damit dürfte sich meine Frage geklärt haben und ich leider ein Alupleuel drinn haben. Denke mal solange das Lager nichts hat werde ich es wohl verbaut lassen oder evtl. mich mal im Winter drüber machen. Dachte eigentlich die R26 ist eine eher unkompliziertes Fahrzeug, bin jetzt nach ein paar Stunden im Forum aber eines Besseren belehrt worden :\'(.

Mfg Thomas

topcom

Hallo habe auch das Alupleuel drin und fahre ohne Probleme. Ich werde es nicht wechseln. Warum auch? Servus Oliver
BMW R27, R50/2 (800ccm) mit Steib S250, R25, R24.

Heiko

Zitat von: schlagi101 am 01 Mai 2011, 21:18:40
Dachte eigentlich die R26 ist eine eher unkompliziertes Fahrzeug, bin jetzt nach ein paar Stunden im Forum aber eines Besseren belehrt worden :\'(.

Hi Thomas,

ist sie auch, wenn man ein paar kleine Dinge beachtet. Befreie unbedingt beim Aufbau der neuen Zyllinderkopfdichtung den Feuersteg und die Kante im Zylinderkopf von Ölkohle. Sonst wird sie nie richtig dicht.


Heiko
Ariel motorcycles... upon which the sun never sets.

schlagi101

Hallo,

habe den Zylinder und -kopf von sämtlichen Verschmutzungen gereinigt und auch neue Gewinde für den Vergaserflansch reingemacht damit ich nicht gleich wieder das selbe Problem habe. Aber danke für den Tipp, bin hier ja neu da ich zuvor nur Oldtimer in Form von Vespa und Lambretta hatte, muss sagen ist aber ein super Forum!! Werde das Pleuel auch drinnen lassen, 30.000km hat es ja schon mal gehalten und Bescheid geben wenn es mal hinüber sein sollte wie viele km es verkraftet hat  :schrauber:

Mfg Thomas

isie

#11
Na ja: Diese Massnahme eines "frühen Lopez" führte zu erheblicher Ausfallquote - das war kein "wieder davon wegkommen" sprechen - das war eine Notmassnahme und zwar binnen weniger Monate eingeleitet ! (Bruch, Lagerschade usw.). @ TE: Lies Dich doch einfach hier dazu ein.

=> Dringend angeraten, auf das Stahlpleuel umzurüsten.

Zitat von: peter63 am 01 Mai 2011, 21:05:30
Da hast Du schon recht, aber unsere Möppelchen sind doch weit von Formel 1 weg  ;D

Alupleuel hat BMW auch nur in der R26 mal probiert. Ist dann aber aus Schmierungsgründen (Hubzapfengleitlager) wieder davon abgekommen.
Rollenlager für´s Hubzapfenlager würden beim Alupleuel auch einen eingepressten Lagerring erforderlich machen, und so deutlich grösser bauen.
Die Festigkeit von Alu reicht für unsere Ansprüche allemal.

LG Peter

Rütz

Immer langsam!
Die wirklichen Probleme gab es nicht mit dem Alupleuel, sondern mit den auf Stahlpleuel umgerüsteten "Alu"-Kurbelwellen! (-> "unmögliche" Wuchtung -> KW-Lagerschäden, Rahmenbrüche, etc...).

Zitat von: peter63 am 01 Mai 2011, 21:05:30
Alupleuel hat BMW auch nur in der R26 mal probiert. Ist dann aber aus Schmierungsgründen (Hubzapfengleitlager) wieder davon abgekommen.

Nicht ganz. Ursprünglich kam das Alupleuel in den R60 des ADAC zur Anwendung und hat sich dort sehr(!) bewährt (weniger Vibrationen, höhere Kilometerleistung...).
Diese Erfahrung wollte man auf die vibrationsgeplagten Einzylinder übertragen.
Die ADAC-Kräder fuhren allerdings fast nur Autobahn und wurden immer penibel gewartet.

Lange Rede...  was die Alupleuel nicht vertragen:

1. Untertouriges Fahren. Auch und vor allem nach dem Kaltstart: Nicht tuckern lassen, sondern gleich auf >2.000 U/min hochdrehen und halten, damit das Pleuelgleitlager schnell Öl mit ausreichend Druck bekommt.

2. Ausdehnen des Ölwechselintervalls. -> Besser alle 1.000 als alle 2.000 wechseln.


Rütz
I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

sigi_rs

Hallo schlagi,

lass die Kurbelwelle drin! Mein Beitrag bezog sich auf BMWs Umbaumaßnahmen, nicht auf meine. Ich habe einige tausend problemlose km mit dem Pleuel gefahren und die Maschine mit dem Alu-Pleuel guten Gewissens verkauft.

Viele Grüße
Jörg

schlagi101

Hallo Rütz,

danke für die Tipps, dann werde ich in Zukunft mal fleißig Ölwechseln. Denke wenn das Pleuel 30.000km gehalten hat hätte es sich schon längst verabschiedet wenn ein Fertigungsfehler (Kratzer, Lunker etc.) vorgelegen hätte. Am wichtigsten dürfte wohl seine das es keine Beschädigung wie Kratzer oder so aufweißt, darauf reagiert Alu in der Regel sehr empfindlich. Wie du schon angesprochen hast sind sicher so manche Schäden durch falschen Umgang damit entstanden. Interessant wäre es ob die original Alupleuels schon ab Werk poliert waren, da bei Alu die Festigkeit ziemlich stark von der Oberflächenrauhigkeit abhängt.

Mfg Thomas

Tino

Ach Jungs, soviel Einigkeit und Friede hier über diese Alupleuels  ;D

Ich hätte da trotzdem bedenken bei alu an solch exponierter Stelle:
http://aluminium.matter.org.uk/content/html/ger/default.asp?catid=176&pageid=2144416583
Gruß Tino
Gott fragte die Steine: "Wollt ihr Starrrahmenfahrer werden?"
Verängstigt antworteten die Steine:"Nein,dafür sind wir nicht hart genug."

schlagi101

Hallo,

jetzt wird es ja richtig technisch mit Wöhlerlinien und so  ;). Dabei musst du aber wirklich Unterscheiden welches Material du hast, den Stahl ist nicht gleich Stahl (kfz- oder krz-Gitterstruktur) und bei Alu gibt es ja auch die 1XXX bis 7XXX Legierungen wo die 2XXX, 6XXX und 7XXX Legierungen aushärtbar sind, wobei das Aushärten (Auslagern) meist so bei 160°C erfolgt wo man im Motor auch schnell mal dabei ist. Jetzt müsste man nur noch die Legierung kennen welche BMW vor über 50 Jahren dafür verwendet hat.....  :D. Denke es muss wohl jeder selber entscheiden ob er sich mit einem Alupleuel wohlfühlt, ich möchte jetzt einfach mal fahren im Winter ist ja dann wieder genug Zeit zum Schrauben bzw. ist ne neue Kurbelwelle ja auch keine billige Angelegenheit. Nochmals Danke für die ganzen Antworten habt mir echt weiter geholfen, da heißt es wohl noch einiges lernen was die BMW betrifft!

Mfg Thomas

Tino

Zitat von: schlagi101 am 02 Mai 2011, 16:05:17
Hallo,

jetzt wird es ja richtig technisch mit Wöhlerlinien und so  ;). Dabei musst du aber wirklich Unterscheiden welches Material du hast, den Stahl ist nicht gleich Stahl (kfz- oder krz-Gitterstruktur) und bei Alu gibt es ja auch die 1XXX bis 7XXX Legierungen wo die 2XXX, 6XXX und 7XXX Legierungen aushärtbar sind, wobei das Aushärten (Auslagern) meist so bei 160°C erfolgt wo man im Motor auch schnell mal dabei ist.
...
Die Aushärtbarkeit hat aber nix mit der Dauerwechselfestigkeit zu tun  ;)
Dauerwechselfest wäre Alulegierungen mit krz-Gitterstruktur. Kannste mir eine sinnvolle leichte Alulegierung mit krz-Gitter nennen?
Ich kenne z.B. Kupfer-Alulegierungen krz-Gitter.  ::) Aber die würde den Einsatz als leichtes Pleuel ad absurdum führen.  ;D
Gruß Tino
Gott fragte die Steine: "Wollt ihr Starrrahmenfahrer werden?"
Verängstigt antworteten die Steine:"Nein,dafür sind wir nicht hart genug."

schlagi101

Hallo Tino,

natürlich hat Alu eine kfz-Gitterstruktur (wie austenitische Stähle) welche im allgemeinen eine schlechte Dauerfestigkeit aufweist und es auch bei sehr hohen Lastspielen noch zu einem Abfall der ertragbaren Last kommen kann was zu einem Versagen des Bauteiles führt. Aber nichtaushärtbare Al-Legierungen verhalten sich besser was die Dauerfestigkeit betrifft, hier kann man meist ab ca. 10^6 Lastwechsel von einem horizontalen Verlauf der Wöhlerkurve (=Bereich der Dauerfestigkeit) ausgehen. Das ganze hat aber eigentlich nichts mehr mit meinem Beitrag zu tun und ist nur mehr klugschei...  ;D. Im Großen und Ganzen hat die Oberflächenrauhigkeit den größten Einfluss, wer schön poliert wird auch mit hochbeanspruchten Al-Teilen eine Freude haben. Hier hat die Kerbwirkung einen weit höheren Einfluss als die Legierung oder das Aushärteverhältnis.

Mfg Thomas

rolf

Tja....das und anderes auch zur Gitterstruktur....ein bekannter von mir ahtte auch Alupleuel...wusste es aber nicht...ich hatte es anlässlich einer <Probefahrt rausbekommen als mit einen Male ein Pleuelrest aus dem Gehäuse stakte...allerdings erst nach 90000km!!! Laufleistung....vorher allerdings schon angekündigt durch fiese geräusche...die ich erkunden sollte.
Fazit: halten länger wie Stahlpleuel....reissen dann aber gerne ab (Stahl zerreibt eher das Pleuelfußlager)...wennn man zulange weiter fährt.
ICH (!) würde das Pleuel weiterfahren bis es Geräusche macht (wie jedes andere Pleuel auch)
Rolf

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