BMW Einzylinder-Forum

ALLES RUND UM´S THEMA OLDIE-RESTAURATION => Die Mechanik und ihre Tücken => Thema gestartet von: Kompressor_Peter am 22 Januar 2008, 11:05:00

Titel: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Kompressor_Peter am 22 Januar 2008, 11:05:00
Hallo zusammen,

nach 30 Jahren möchte ich meine alte 25/3 wieder aktivieren (lag bis vorige Woche auseinandergebaut im Keller).
Motor und Getriebe hat Junior (13) äußerlich schon in einen ansprechenden Zustand gebracht. Zylinderkopf hat die übliche Macke an der Auspuffverschraubung und neue Ventile incl. Führungen sind auch fällig (wird bei Stemler erledigt). Die Kipphebel sind an der Auflage zu den Stößeln recht abgenutzt. Möchte diese aufschweißen und härten lassen. Hat jemand von euch ein Foto der Kipphebel, das noch den Origianlzustand zeigt? Kann mich schwach daran erinnern, dass sie eine leicht ballige Form hatten. Wie gesagt... 30 Jahre her.. und Erinnerungen sind trügerisch...  :verlegen:
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Kompressor_Peter am 22 Januar 2008, 11:12:55
zittriger Finger oder H(ab) I(ch) V(vergessen)
Wollte euch zu diesem Forum und den hinterlegten Infos gratulieren.
Hätte mit vor 30 Jahren schon so etwas gewünscht.
Habe meinem Vater mal einen Andruck der Reparaturanleitung gegeben (hat ebenfalls eine 25/3 in den 50-er Jahren gefahren). Begeisterung!!!! Und wochenlang kein anderes Thema mehr!

Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg,
Peter
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Karl am 22 Januar 2008, 11:29:01
Hallo Peter,

leider kann ich dir zu deinen gestellten Fragen keine Antwort geben (bin kein Techniker), möchte dich aber recht herzlich bei uns im Forum willkommen heißen. Es erwarten dich hier viele hilfsbereite, nette Menschen und eine Menge schwarzer Humor  ;) ;D

Ganz im Sinne von: es gibt keine dummen Fragen, nur böse Antworten *lach*

Herzlich willkommen!   :applaus:

Karl
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Taz am 22 Januar 2008, 11:44:38
Hallo Peter.

Willkommen im Forum...

Eine Frage. Hast Du die technischen Möglichkeiten, die anfallenden Arbeiten an den Kipphebeln selber zu machen (oder kennst Du jemanden sehr gut, der das "für'n Kasten Bier" machen kann)? Ich frage, weil beispielsweise U. aus F. (hatte da nur zufällig den Katalog vorliegen) komplette, gebrauchte Kipphebel für 45€ anbietet...soweit ich weiß, sind seine gebrauchten Ersatzteile entsprechend überprüft und damit voll funktionsfähig...ob Du für dieses Geld auch Deine wieder herrichten (lassen) kannst?

Viel Spaß beim  :schrauber:

Nur so eine Anregung, Tas
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest265 am 22 Januar 2008, 11:48:49
Überarbeiten kostet bei U ca 20 Golddukaten pro Hebel.
Evtl macht es ein Motoreninstandsetzer vor Ort günstiger (Kiste Bier).
Helga
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Kompressor_Peter am 22 Januar 2008, 13:51:02
Hi,

die Kipphebel gibt´s bei S aus R auch für ca. diesen Preis.
Hatte aber vor (wie von Helga auch vorgeschlagen) hier in der kölner Ecke einen Motoreninstandsetzer damit zu nerven und evtl. etwas billiger weg zu kommen. Hatte mal bei Schmitz und Krieger nach einem Kolbenabriss den Zylinder ausdrehen lassen. Kostete damals (das "Damals ist ca. 31 Jahre her!) incl. neuem Kolben 75,00 DM. Wollte dort mit den alten Kipphebeln und einem Bild als "Anschauungsmaterial" auflaufen.
Selber machen ist so ne Sache, insbesonders mit dem Härten... Wenn das nicht sauber gemacht wird, findet Mann/Frau evtl. einige Teil an nicht gerade günstigen Stellen im Motor.

Schon mal vielen Dank für die vielen Anregungen,
Peter
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest474 am 22 Januar 2008, 17:24:27
Das Problem hatte ich an meiner 1000er auch. Ich habe keinen Händer gefunden,der diese überarbeitet. (Nachhärten und schleifen)  Die Dinger sind ja Einsatzgehärtet.
Israel hatte dies mal im Programm, und hat es wieder rausgenommen.
Knut, wol liegt hier eigentlich das Problem?

Gruss Manfred
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 22 Januar 2008, 20:58:44
Moin zusammen,

Ein Problem ist, dass wir nicht wissen, was das für ein Werkstoff ist. Die Kipphebel sind geschmiedet und danach spanend bearbeitet. Als Feld-Wald-und-Wiesen-Werkstoff für sowas kommen (in den 50er und 60er Jahren) der CK45 oder 100Cr6 in Frage.
Zusätzlich gibt es keine endgültige Klarheit, ob die durch- oder nur einsatzgehärtet sind. Odeon und ich meinen, die sind durch, andere meinen, dass sie nur oberflächengehärtet sind. Durchhärten und anlassen ist billiger, deswegen glaube ich, dass das seinerzeit gemacht wurde.

Nochmal durchhärten würde bedeuten, dass die Bronzebuchse ausgebaut werden muss, danach die Bohrung neu reiben und eine Buchse ggf. mit Übermaß einsetzen = Mordsaufwand. Induktions- oder Einsatzhärten für Einzelteile ist einfach zu teuer, weil die Teile und die Brenner individuell eingestellt werden müssen. Das dauert einfach zu lange und somit zu teuer!

Ich habe meine ersteigerten Kipphebel "einfach nach Augenmaß" mit Fächerschleifer in der Bohrmaschine neu geschliffen und danach per Hand mit 300er Schleifpapier hübsch gemacht. Diese liegen jetzt im Härtereiinstitut und werden aufgekohlt oder nitriert und Induktionsgehärtet, um noch mehr Härte zu erzeugen. Das ganze soll gemacht werden, um die Grundlage für eine Hartstoffschicht zu bekommen.

Wer für 20€ erwartet, dass sie mittels Kurvenscheibe o.ä. geschliffen und gehärtet werden, ist von einer anderen Welt. Das bekommt keiner mehr für dieses Geld hin (die machen das genauso, wie ich es gemacht habe).

Ich würde die von mir bearbeiteten Kipphebel auch so, ohne weitere Wärmebehandlung fahren. Was soll passieren?? (Manfred, dass mit den ovalen Ventilführungen kann ich mir einfach nicht vorstellen....)

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Heiko am 22 Januar 2008, 21:08:45
Zitat(Manfred, dass mit den ovalen Ventilführungen kann ich mir einfach nicht vorstellen....)

Was? Wo?

Ovale Führungen durch nicht oder falsch gehärtete Kipphebel? Das ist doch Unsinn... vielleicht durch falsch Geschliffene... oder irgendwann durch total eingelaufene Kipphebel... hab ich jetzt irgendetwas überlesen?


Heiko
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 22 Januar 2008, 21:15:32
Heiko,

du gucken hier (http://www.bmw-einzylinder.de/forum/index.php?topic=3540.msg36686#msg36686)

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 22 Januar 2008, 22:41:19
ZitatNochmal durchhärten würde bedeuten, dass die Bronzebuchse ausgebaut werden muss, ...
:o Bronzebuchse? Welche Bronzebuchse? Hast du da schon wieder eine Eigenkreation? :Frage:

Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 23 Januar 2008, 08:10:54

Teile Nr. 00 34 140 "Büchse für Kipphebellagerung". Ich finde, die sieht ein bischen "gülden" aus....

keine Bronze?  :-\\

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: sigi_rs am 23 Januar 2008, 09:26:56
Morgen zusammen,
es gibt für Ventilteller-Schleifmaschinen einen Aufsatz für Kipphebel. Siehe z.B. hier:http://www.oko-werkzeuge.de/oko/?Produkte:Motoreninstandsetzung:OKO_VS80 (http://www.oko-werkzeuge.de/oko/?Produkte:Motoreninstandsetzung:OKO_VS80)
Weiß eigentlich jemand, wie das ganze funktioniert? Ich habe darüber überhaupt nichts finden können, außer diesem mikrigen Bild. Ich habe den Eindruck, daß der Kipphebel mit der Vorrichtung nur genau senkrecht an die Schleifscheibe gehalten wird und die Balligkeit in der Geschicklichkeit des Bedieners liegt.
Falls jemand sowas schonmal in natura gesehen hat, wäre ich für eine Funktionsbeschreibung dankbar.

Viele Grüße
Jörg
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: rolf am 23 Januar 2008, 09:58:37
Zitat von: Knut am 23 Januar 2008, 08:10:54
Teile Nr. 00 34 140 "Büchse für Kipphebellagerung". Ich finde, die sieht ein bischen "gülden" aus....

keine Bronze?  :-\\

Knut
Ist Stahl, meistens sogar gülden angelaufen
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 23 Januar 2008, 10:59:21
@Knut
Das sind zwei geläppte Stahlhülsen mit ölführender Fase. Die laufen lose, sowohl auf der Welle als auch im Kipphebel.

@Jörg
Kann man einen Radius konstruieren, bei dem der Auflagepunkt auf dem Ventilschaft bei Betätigung nicht rutscht, sondern nur abrollt? Das wäre dann vermutlich der richtige. :Frage:
Ansonsten kommt es wohl v.a. darauf an, daß man keine eigentliche "Balligkeit" schleift, sondern einen Zylinder, dessen Achse genau parallel zur Kipphebelachse steht.


Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: sigi_rs am 23 Januar 2008, 12:14:11
Zitat von: Rütz am 23 Januar 2008, 10:59:21
@Jörg
Kann man einen Radius konstruieren, bei dem der Auflagepunkt auf dem Ventilschaft bei Betätigung nicht rutscht, sondern nur abrollt? Das wäre dann vermutlich der richtige. :Frage:
Ja, kann man. Mein CAD kann dynamische Simulation und könnte diese Kurven automatisch erzeugen, wenn man die Bewegungen von Ventil und Kipphebel im Verhältnis zur Zeit aufzeichnet. Um da was sinnvolles rauszubekommen, muß man jedoch eigentlich beim Ventil anfangen und alle Längen-, Winkel- und Hebelverhältnisse zwischen Ventil und Kipphebel exakt konstruieren. Ich habe damit mal angefangen, habe aber festgestellt, daß geschätzte Werte nichts bringen. Leider sind alle meine Kipphebel verbaut und ich habe keine rumliegen, um die genau auszumessen. Und zum Ausbauen hatte ich zugegebenermaßen noch keine Lust.

Viele Grüße,
Jörg
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Stefan am 23 Januar 2008, 13:06:58
Zitat von: sigi_rs am 23 Januar 2008, 12:14:11
Ja, kann man. Mein CAD kann dynamische Simulation und könnte diese Kurven automatisch erzeugen, wenn man die Bewegungen von Ventil und Kipphebel im Verhältnis zur Zeit aufzeichnet. Um da was sinnvolles rauszubekommen, muß man jedoch eigentlich beim Ventil anfangen und alle Längen-, Winkel- und Hebelverhältnisse zwischen Ventil und Kipphebel exakt konstruieren. Ich habe damit mal angefangen, habe aber festgestellt, daß geschätzte Werte nichts bringen. Leider sind alle meine Kipphebel verbaut und ich habe keine rumliegen, um die genau auszumessen. Und zum Ausbauen hatte ich zugegebenermaßen noch keine Lust.

Viele Grüße,
Jörg

Ich glaube nicht, daß sich da eine Lösung finden läßt. Wenn ich mir vorstelle, der Kipphebel wäre ein Zahnrad (Drehbewegung) und das Ventil eine Zahnstange (Axialbewegung), dann gleitet da außer beim Durchgang durch den Teilkreis immer was. Und selbst wenn muß das Ventil am Fuß schräg geschliffen werden, was allerdings dessen Drehbewegung behindert.

Gruß
Stefan
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest474 am 23 Januar 2008, 22:07:51
Also mir wurde dass so erklärt,(Wüdo)  dass, wenn der Kipphebel zu stark außermittig des Ventilschaftes auftrifft, der Schaft ständig schräg bewegt wird, und dadurch die Ventilführungen schneller verschleißen.
Übrigens, wenn man die ersten 3 bis 5/10 am Kipphebel der /2 oder /3 abgeschliffen hat, kann man die Dinger mit der Feile  bearbeiten. (Habe meine /2 Kipphebel getunt-> leicher gemacht)

Gruss Manfred
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Heiko am 24 Januar 2008, 07:39:44
Zitat von: Manfred250 am 23 Januar 2008, 22:07:51
Also mir wurde dass so erklärt,(Wüdo)  dass, wenn der Kipphebel zu stark außermittig des Ventilschaftes auftrifft, der Schaft ständig schräg bewegt wird, und dadurch die Ventilführungen schneller verschleißen.

Moin,

das ist korrekt... war jetzt nur irritiert, weil ich den Zusammenhang in diesem Tret mit dem Zitat nicht gefunden hatte.


Heiko
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Kompressor_Peter am 28 Januar 2008, 19:06:18
Stand der Dinge.

War heute beim Motoreninstandsetzer mit meinen Kipphebeln. "Nachschleifen auf der Maschine, kein Problem, aber dann ist die gehärtete Schicht weg! Kann man aber evtl. härten lassen" sprachs und verschwand nach meinem Nicken mit den guten Stücken. Einen Gratiskaffee später tauchten sie perfekt geschliffen wieder auf. Kosten: null, nada, nix!  :blumen: Fünf Euronen für die Kaffeekasse.
Soweit ich das als "Schreibtischtäter mit kaufmännischem Grundwissen"  :koenig: beurteilen kann, sind die Kipphebel wirklich nur an der Oberfläche gehärtet. Werde in nächster Zeit mal bei Härthal in Aldenhoven vorsichtig an die Tür klopfen und hören was sich bezüglich der Härtei machen lässt.

Gruß,
Peter
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest474 am 28 Januar 2008, 19:55:29
Das würde mich auch interessieren. Bei meinen Kipphebel von der 1000er wurde abgewunken. Geht nicht. Bloß kostet so ein Kipphebel neu inzwischen schlappe 100 €.

Gruss Manfred  Ich fahre BMW aus Freude an den günstigen Ersatzteilpreisen. :kotz:
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 28 Januar 2008, 22:32:16
Mal eine doofe Frage:
Wenn man eine Nockenwelle beim Motorinstandsetzer schleifen läßt, wird die doch nach dem Schleifen auch noch "mal eben nitriert" (also in ein Nitritbad gedückert und vorschriftsmäßig abgekühlt, was man doch auch Einsatzhärten nennt... oder werf ich jetzt alles durcheinander?)
Wieso können die das mit den Kipphebeln nicht genauso machen?

Gruß Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: mekgyver am 28 Januar 2008, 23:19:51
@Rütz :
was ist "gedückert" ? etwa eingetaucht oä ?
Das sind oberbergische Sprachenklaven ...  8) , die ich in mein Vokabelheft schreiben muss  :koenig:

Haben nicht besonders geschulte Boardmitglieder herausgefunden,
dass die Kipphebel durchgehärtet sind ???

Wenn's so ist, dann kann man ganz schlicht, wie einen HSS-Bohrer, nachschleifen
und immer darauf achten, dass die Temperatur nicht zu hoch wird    :spinnt: oder was ?

Ich hab's mal früher gemacht, mit einem Fächerschleifer an der Bohrmaschine, geht auch an einem Drehmel-Plagiat von Aldi  ;)

Ich verstehe diese ganze Diskussion eingentlich nicht richtig,
ein eingelaufener Kipphebel hat einen Grat an der Gleitstelle (zum Ventil), den kann man wegschleifen und gut is  :spinnt: oder was ?

Gruß mek

Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest474 am 29 Januar 2008, 08:02:08
@Rütz. Also beim Nitrieren werden in den Randzonen sehr harte Nitride gebildet. Die Teile brauchen nicht abgeschreckt zu werden. Das ganze bei 500 Grad. Vorteil: Es entsteht eine dünne Schicht von hoher Härte (HV=900kp/mm²) Es können Fertigteile behandelt werden, und es findet keine Gefügeumwandlung statt.
Es entstehen nur sehr dünne Schichten. Auch bei langen Glühzeiten > 20 Std. kommen nur 0,3mm zusammen.
Man unterscheidet das Gas- Bad Karbonnitrieren.
Also werden  Kurbelwellen, Nockenwellen nach einem schleifen Lager meistens nitriert.
Kipphebel einsatzgehärtet.
@mek:ein eingelaufener Kipphebel hat einen Grat an der Gleitstelle (zum Ventil), den kann man wegschleifen und gut is
Im Grunde genommen haste Recht. Aber nur solange bis die Schicht wech is. Um die Auffrischung geht es nun.

Gruss Manfred
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 29 Januar 2008, 08:40:29
Alles richtig Manfred, zumindest das mit dem Nitrieren.

Ergänzend kann man noch sagen, dass die Nitrierschicht erheblich verschleissfester ist als die einsatzgehärtete. Das liegt an der höheren Randhärte und den eindiffundierten Nitraten. Allerdings sollten hohe Flächenpressungen und schlagartige Beanspruchungen vermieden werden. Deswegen ist das Nitrieren wohl eher nicht für die Kipphebel geeignet, für die Nockenwellen aber erste Wahl.

@Rütz. Tauchnitrieren in Zyansalz bei ca. 550°C dauert etwas 1 - 2 h, um 0,5mm Schichtdicke zu erreichen. Meintest Du das mit kurz "unterdückern"?
Einsatzhärten läuft bei wesentlich höheren Temperaturen (über 900°C) und Kohlenstoff diffundiert in das Grundmaterial. Die Schicht ist dicker, die Randschicht weniger hart und deswegen schlagzäher.

Und ich bleibe dabei: die Kipphebel (der Einzylinder  :-\\) sind durchgehärtet, schleifen geht immer, nachhärten nicht notwendig.

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Pfannen-Meister am 29 Januar 2008, 09:48:35
In der aktuellen "Oldtimer-Praxis" ist ein meines Erachtens nach recht passabler Bericht zum Thema Härten drinnen . . . hat zumindest mir das Grundverständnis erleichtert !
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Andre.Hubein am 29 Januar 2008, 17:57:28
Stimmt!
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 29 Januar 2008, 19:39:59
@Knut: Habe es nur so salopp formuliert, weil ich (bisher) dachte, das Erneuern von Härteschichten gehöre zum problemlosen Täglich-Brot eines Motorinstandsetzers.
An Unterschiede zw. den verschiedenen Randschichthärteverfahren (RSHV ;D) habe ich nicht gedacht... jetzt nochmal nachgelesen und ist klar: Kipphebel müssen wenn dann anders gehärtet werden, mit dickerer und maximal haftender Randschicht.

Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 29 Januar 2008, 20:39:03
Zitat von: Andre.Hubein am 29 Januar 2008, 17:57:28
Stimmt!

was ??

Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: emm am 29 Januar 2008, 23:09:11
Zitat von: Knut am 29 Januar 2008, 20:39:03
was ??



Na, die Sache mit den durchgehärteten Hebeln, nehme ich mal an. Das sind sie nämlich. Habe sie bei meinem Motor auch sauber geschliffen und anschließend poliert; Feilprobe inklusive. (läuft doch noch, Carlos, oder?)  ;D
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † odeon8 am 29 Januar 2008, 23:18:33
Durchgehärtet: Stimmt !

Habs selbst ausprobiert - siehe hier (http://www.bmw-einzylinder.de/forum/index.php?topic=3540.msg36576#msg36576).

und hier (http://www.bmw-einzylinder.de/forum/index.php?topic=2664.msg26343#msg26343).

Thomas



Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: rolf am 30 Januar 2008, 09:59:39
Nebenbei kann man in den o.g. Tret sehr schön sehen was passiert wenn !. der Ventilsitz zu sehr eingeschlagen ist bzw zu oft nachgefräst wurde.
oder
2. Ventilteller, Keile und Ventil nicht zusammenpassen.
Schau mal in Knut's Antwort Nr. 25
Auf dem Bild sieht man sehr schön (was ich des öfteren schon mal mit ungelenken Worten versucht habe zu beschreiben) wie der Kipphebelgrundkörper (!!) seitlich (!!) auf das Ventil drückt...jeztz stelle man sich vor was mit dem ventil passiert wenn der Kipphebel langsam zu öffnen beginnt...jetzt kommt die "Rampe" (wo die "Nase" für das Ventil am Grundkörper anfängt) und drückt und drückt und drückt....und irgendwann öffnet die "Rampe" dann auch endlich das Ventil.
Wie schon mehrmals gesagt: vom Grundkörper genügend Material abnehmen so das da mit Sicherheit 1mm Luft ist.
Rolf
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 15 Februar 2008, 14:01:17
Moin zusammen,

habe die Kipphebel aus dem Härterei-Institut zurück bekommen. Zum Glück arbeitet dort jemand, der auch an Motorrädern bastelt (alte Ducatis) und er wusste sofort, was ich haben wollte, nämlich Kippis mit maximaler Verschleissfestigkeit, die ewig halten sollen.

Die Spektralanalyse hat ergeben, dass es sich um den Stahl der Sorte Ck45 handelt, der zweifelsfrei durchgehärtet ist. Härte überall ca. 58 HRC
Erstmal habe ich die Kipphebel freihand mit Fächerschleifer neu geschliffen und mit 200er Körnung die dicksten Riefen geglättet. Ich bin bei Ra = 5µm gelandet

Zusammen mit dem Typ von der Härterei haben wir uns ein modifiziertes karbonitrieren ausgeknobelt, manchmal auch Nitrocarburieren genannt.

Das Karbonitrieren ist eine Kombination aus Nitrieren (Stickstoff) und Einsatzhärten (Kohlenstoff). Die Besonderheit, die jetzt gemacht wurde, ist die relativ niedrige Temperatur von 500°C für 6 Stunden. Das Abkühlen erfolgte an bewegter Luft.
Durch das Einlagern von Stickstoff in die Oberflächenzone werden gute Notlaufeigenschaften erzielt, wodurch der Hebel bei Ölmangel (Kaltstart, Verkohlung) weitaus weniger verschleisst. Das Aufkohlen bewirkt eine sehr dünne Schicht, die noch härter ist (ca. 62 HRC). Durch die geringe Temperatur und dem relativ langsamen Abkühlen verziehen sich die Teile nicht.

Zwei Sachen sind wichtig:
- Die Auflagefläche nicht auf Hochglanz polieren (Sorry Markus). Feine Riefen und Schleifspuren sind willkommene Öltaschen und halten Restöl besser, als eine polierte Fläche (siehe Bild)
- Nur der Bereich der Auflagefläche soll mit dem Salz in Berührung kommen, der Rest wird mit geeigneten Mitteln abgedeckt. Somit wird nur die Auflagefläche nitriert, der Rest wird durch die Wärme zart angelassen, zäher und dauerfester.

Der Typ hatte eine ähnliche Wärmebehandlung vor vielen Jahren auch bei seiner Duc an den Schlepphebeln gemacht und seit dem 30.000km gefahren. Er hat sie mir gezeigt, es ist fast keine Laufspur zu sehen.
Hoffentlich müsst ihr lange warten, bis ich meine Erfahrungen vermelden kann.


Grüsse von

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: rolf am 15 Februar 2008, 14:18:11
Knut,
was hat das denn gekostet?
Rolf
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Heiko am 15 Februar 2008, 14:33:27
Zitat von: rolf am 15 Februar 2008, 14:18:11
Knut,
was hat das denn gekostet?
Rolf

Also wir machen das für ´nen Blowjob, ich weiß nicht was unser Tochterunternehmen in Bremen dafür nimmt?!

Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 15 Februar 2008, 14:48:24
Hey ihr beiden,

ich habe nix bezahlt, weil ich noch aus einem Industrieprojekt was gut hatte  ;D

Wenn man jetzt in eine normale Härterei geht, wird das Problem die Temperatur sein und dass das Bad für diese 6 Stunden für andere Teile nicht genutzt werden kann. Aber vielleicht hat Jörg die Möglichkeit, mal solche Suppe anzusetzen, Abdeckpaste zu besorgen und nen Sammelauftrag zu glühen??

Und Heiko: tz...tz...tz


Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: sigi_rs am 15 Februar 2008, 16:17:57
Hi,
ich muß gestehen: Nitrocarburieren mache ich oft oder ich sollte besser sagen: lasse ich oft machen. Denn am Ort gibt es eine Härterei, die das macht und die bekommen von mir oft Teile zum nitrocarburieren.
Selbst machen? Wie denn mit viel zu kurzen Armen? Würde Bernd-das-Brot jetzt sagen.
Keine Ahnung, ob das geht. Aufkohlen habe ich schon gemacht mit einem Glühbehälter mit Anthrazit-Kohle, in dem die Teile gelegt werden. Ist aber mehr für den Hausgebrauch. Nur Nitrieren? Das wird normalerweise in einer Stickstoff-Atmosphäre gemacht (schreibt man diese schwierigen Wörter so?).

Ich kann da ja mal fragen, wenn ich das nächste Mal da bin.

Viele Grüße,
Jörg
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Kompressor_Peter am 01 März 2008, 23:46:51
Abend zusammen,

war die Tage mit meinen Kipphebeln unterwegs. Nach einem kurzen Blick und einem Test hinter verschlossenen Türen gab´s die klare Aussage: Die sind schon bei der Herstellung komplett durchgehärtet worden, kann man so einbauen.
Was ich dann auch gestern gemacht habe.
Nochmals vielen Dank an alle!

Nur aus Neugierde gefragt: in den Kipphebeln sind jeweils zwei "Lagerschalen" eingepreßt. Hat die jemand eine Ahnung wie mann/frau die herausbekommt?

Viele Grüße,
Peter M(it roten Fingern vom Rostschutz) 

Hatte vor einer Woche die Spritzpistole überprüft. Als heute die Farbe im Becher war streikte das Ding  :kopfhau:
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 02 März 2008, 11:22:25
Zitat von: Rütz am 23 Januar 2008, 10:59:21

@Knut
Das sind zwei geläppte Stahlhülsen mit ölführender Fase. Die laufen lose, sowohl auf der Welle als auch im Kipphebel.

Rütz

Moin Klaus,

wegen der Lagerschalen wurde mir glaubhaft ( ;)) geschrieben, dass es geläppte Stahlhülsen sind, die sowohl im Kipphebel als auch auf den Achsen lose laufen. Neue Hülsen hat Meister Rabenbauer für 7 Euro im Angebot. Uli hat sie wohl gar nicht und Stempler frage ich gar nicht erst.

Allerdings verschliesst sich mir der Sinn nach der Notwendigkeit einer doppelten Spielpassung. Das Innenmaß des Kipphebels ist leicht unter 15mm, das Aussenmaß der Achse knapp unter 13mm. Also hätte sich BMW hier was besonderes ausgedacht.

Auch ich habe in meinen drei! Sätzen Kipphebel jeweils eingepresste Buchsen gefunden (1 x Bronze, 2 x Kupfer). Solche Buchsen sind genormt nach DIN ISO 4379. Da gibt es die tollsten Sachen: aus Kupfer, Messing, gelocht, mit Schlitzen oder den tollsten Beschichtungen. Allerdings sind die von den Maßen so, dass die Buchsen in die Kipphebel eingepresst (leichter Preßsitz s6) werden müssen und dann mit H7 auf den Achsen laufen.
Das Problem ist, dass nur noch wenige Händler die Maße 13 x 15 x 20 (Innen x Aussen x Länge) führen, da nicht mehr in der Norm enthalten.
Ich habe noch Buchsen gefunden und zwar mit einer PTFE Innenbeschichtung (2 Euro / Stück). Die habe ich eingepresst und werden in den nächsten Tagen eingebaut.

Ach so..... wie die alten heraus bekommen? Ausnahmsweise mal Gewalt mit Hammer und 14,5mm Dorn. Die Kipphebelbohrung ist durchgehend auf knapp 15mm gerieben.

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 02 März 2008, 14:24:52
 :o
Jetzt bin ich platt! Da ist wohl (mal wieder Rolf) gefragt... :Frage:

Die beiden Kipphebelsätze, die ich bisher auseinandergenommen habe, hatten beide...
diese geläppten Stahlhülsen mit Ölnut. Die doppelte Spielpassung habe ich mir mit besserer Ölhaltung erklärt..?
Die Stahlhülsen hatten jeweils die Maße: 13 x 18 x 23,6  !!
Die Kipphebel hatten/haben entsprechend einen durchgehenden Innendurchmesser von 18 mm !

Es muß also zweifellos zwei verschiedene Kipphebeltypen geben.
Ist das vielleicht der ominöse Unterschied zw.  /3 und  R26/27 Kipphebeln (verschiedene E-Teilnummern)?
Nur welche sind welche?


Gruß Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: † Knut am 02 März 2008, 14:41:00
Danke Anselm,

Da hilft wirklich nur noch ein dreifaches

"Rolf hilf!!"

Knut
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: emil am 02 März 2008, 15:04:56
hallo zusammen
...eingepresste Büchsen (sofern nicht hart natürlich) können alternativ durch aufbohren (D Bohrer ca 0.5 mm unter Da der Büchse) entfernt werden ...ich halte das für die bessere und schonendere Lösung als "schlagen" und "hauen" es braucht dafür jedoch eine vernünftige Ausrüstung...eine Handbohrmaschine genügt in der Regel nicht..am besten wäre ein passender Zapfenbohrer...
Gruss
Emil
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: klaus wg am 02 März 2008, 18:20:07
Zitat von: Rütz am 02 März 2008, 14:24:52

Es muß also zweifellos zwei verschiedene Kipphebeltypen geben.
Ist das vielleicht der ominöse Unterschied zw.  /3 und  R26/27 Kipphebeln (verschiedene E-Teilnummern)?
Nur welche sind welche?


Halte ich für denkbar, dass es mehr als 1 Serie gab. Nur mal so ein Gedanke / eine Frage nebenher: Passen eigentlich die Kipphebelsätze der Schwingenboxer in die Einzylinder, und falls ja: wurden dort vielleicht andere Serien aufgelegt  ??? ?

k.
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: rolf am 02 März 2008, 23:33:28
Joh, div. Serien/typen...so ganz klar sind dir mir auch nicht...restliches Thema  übersteigt meine momentanen (hoffe ich) Fähigkeiten...morgen(hoffe ich ebenso) mehr.
Rolf
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: Rütz am 03 März 2008, 11:36:43
Nach Studium der hier hinterlegten E-Listen für R25/3, von denen eine leider gerade an dieser Stelle lückenhaft ist :(, scheint die Version mit festen Büchsen wohl die ältere zu sein.
Das Ersatzteil bei R25/3 heißt: "Schwinghebel mit Büchsen". Die Buchsen einzeln gab es damals nicht.
Bei R26/27 müssen Schwinghebel und Buchsen von Anfang an jeweils einzeln und extra bestellt werden.

Bei Rabenbauer heißen diese Buchsen:
11 33 0 034 140   Buchse für Kipphebel "Außen-Ø 18mm", R26/27

11 33 0 034 132   Buchse "AØ 16mm" Kipphebel R25/3 (witzigerweise 16 mm! :-\\)

11 33 0 034 120   Büchse für Kipphebel R25/2

11 33 0 034 118   Büchse für Kipphebel R25, R51/2

Vielleicht wurde es ja auch als Gewichtsreduzierung eingeführt. ;D Nach meiner Grobrechnung müßte der Kipphebel dadurch ~25g verloren haben. Obwohl trägheitsmomenttechnisch gesehen... nicht gerade an der effektivsten Stelle.

Rütz
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest520 am 07 April 2008, 13:20:22
Hi,
was ist denn jetzt die Lehrmeinung bezüglich der Instandsetzung der Berührstelle Kipphebel -> Ventil?
Ich hatte mal vor ein paar Jahren welche aufschweißen lassen (irgend so ein lufthärtender Spezialwerkstoff aus der Druckgusswerkzeugfertigung; Spez. könnte ich noch mal nachfragen). Wird nicht mehr lange dauern, bis sich mir die Frage stellt einbauen oder nicht.
Bezüglich des Radiusschleifens hatte ich mir eine kleine Spannvorrichtung (Flachmaterial + 2 Bolzen) gebaut, mit deren Hilfe ich auf der Stichelschleifmaschine genau den Nockenradiurs abfahren konnte.

Gruß
Jochen
Titel: Re: abgenutzte Kipphebel
Beitrag von: guest474 am 07 April 2008, 18:49:15
Das mit Spezial- aufschweißen hatte ich an den Kippies an der 1000 auch schon gemacht. Nach 1000km war die Schweißung wech.
Wenn ich das alles richtig verstanden habe, sind die Kippies der 250er durchgehärtet. Man kann sie also wieder schön rundschleifen und weiterfahren.
Nur die Kippies der Boxer ab 1969 sind nicht durchgehärtet.

Gruss Manfred