BMW Einzylinder-Forum
ALLES RUND UM´S THEMA OLDIE-RESTAURATION => Die Mechanik und ihre Tücken => Thema gestartet von: BeerOnBike am 10 November 2024, 19:32:14
Hallo Zusammen,
ich möchte mich diesen Winter das Getriebe meiner R25 überholen. Ich habe das gerade mal ausgebaut, Kann mir jemand im Raum Berlin (Spandau) Werkzeug zur Demontage des Mitnehmerflansches leihen? Ich kann natürlich auch mit dem Getriebe vorbeikommen. Ich kann leider nichts selbst anfertigen.
Besten Dank im Voraus, Stephan
Hallo Stefan,
bei dir ganz in der Nähe hat Uwe Graf (https://www.linien-von-meisterhand.de/main.htm) seine Werkstatt. Der restauriert Einzylinder und kann dir hoffentlich helfen. Ich habe das Werkzeug leider nicht. Aber warum willst du das Getriebe überholen? gibt es einen Anlass? Wenn nicht, würde ich es lieber zusammenlassen. Eine Getriebeüberholung erfordert viel Erfahrung, das machst du nicht so nach Reparaturhandbuch.
Gruß Rainer
Man kann dadurch aber auch lernen. Ein Hexenwerk ist das nicht.
Ich finde, das Werkstatthandbuch lässt eigentlich keine Frage offen. Klar, dauern die ersten Gehversuche sehr lange und man scheitert hin und wieder an Werkzeug, Teilen oder beides, aber machbar ist das.
Man kann den Mitnehmerflansch vom Getriebe auch mit einem Zweiarmabzieher runter bekommen. Wichtig ist dabei über die beiden Zapfen des Mitnehmers eine stramm sitzende Brücke zu setzen und die Arme des Abziehers exakt hinter die Auflagen der Brücke zu positionieren.
Keinesfalls versuchen mit einem Prellschlag auf die Spindel (wie im Handbuch empfohlen) den Flansch zu lösen. Bei diesem Versuch wird man die Abtriebswelle beschädigen. Das ist nur sinnvoll, wenn das Ende der Abtriebswelle durch eine massive Stahlkappe abgedeckt ist die den Impuls beim Schlag von der Spindelspitze "verteilt".
Viel Erfolg
Bernd
Zitat von: berndr253 am 13 November 2024, 23:00:51Man kann den Mitnehmerflansch vom Getriebe auch mit einem Zweiarmabzieher runter bekommen. Wichtig ist dabei über die beiden Zapfen des Mitnehmers eine stramm sitzende Brücke zu setzen und die Arme des Abziehers exakt hinter die Auflagen der Brücke zu positionieren.
Keinesfalls versuchen mit einem Prellschlag auf die Spindel (wie im Handbuch empfohlen) den Flansch zu lösen. Bei diesem Versuch wird man die Abtriebswelle beschädigen. Das ist nur sinnvoll, wenn das Ende der Abtriebswelle durch eine massive Stahlkappe abgedeckt ist die den Impuls beim Schlag von der Spindelspitze "verteilt".
Viel Erfolg
Bernd
Da bin ich voll bei Bernd,
gibt hier im Forum auch Beschreibungen, wo ein Hartholzklotz passend als Stabilisierung der beiden Mitnehmer gebaut wurde.
Wichtig, wie bereits angedeutet, keinen Abzieher mit spitzer Spindelzentrierung verwenden, dadurch kann die Kugel am Ende der Welle gesprengt werden. Die Kugel hat zwar eine spitze Aufnahme, aber diese stammt wohl eher von der Fertigung.
Ich hatte mir damals ein kleines Druckstück gebaut, welches mehr Auflagefläche bietet und die Kugel von außen umschließt.
und ja die Reparaturanleiung ist ein guter Leitfaden, auch Klacks-Schraubt, aber beide sind auch nicht perfekt und manche Beschreibungen schlichtweg nicht machbar (z. B. Schwungscheibenmutter mit Rohrsteckschlüssel lösen 🙄)
MfG
Eppo
Schließe mich meinen Vorrednern an: Getriebe kann man gut hinkriegen. Kein Hexenwerk. Wenn man aber keine Möglichkeit hat 3 Löcher in einen Hartholzblock zu bohren, dann würde ich es lassen und weggeben. Das kostet auch kein Vermögen.
Gruß
Jan.
Erst mal die Mutter abschrauben....
ein Bild sagt mehr als 1000 Worte
Hubi
Hexenwerk ist bei den alten Einzylindern eigentlich auch nix - was man allerdings haben sollte ist geeignetes Meßzeug (Einmessen der Wellen) und ein paar spezielle Werkzeuge.
Noch ein Hinweis zur Kronenmutter mit der der Mitnehmer auf der Abtriebswelle gesichert ist.
Die kann man auch gegen eine Radmutter vom T1 tauschen - hier muss nur der Bund abgedreht werden, dann kann man diese mit einer Nuß sehr schön festziehen und irgendwann auch wieder lösen
Grusz
Bernd
Kleine Korrektur: Radmutter vom T3. Der T1 hat Radschrauben.
Und wer nicht abdrehen kann oder will, kauft die passende Mutter gleich fertig.
https://www.ural-zentrale.de/produkt/kronenmutter-mit-bund-m14-x-1-5-fein/
Sind die Muttern von den Uralgetrieben qualitativ hochwertig? Dann würde ich mir mal ein paar auf Lager legen
Grusz
Bernd
Ich ziehe diese Muttern mit 150 Nm an - hat bislang immer gehalten.
Ja, das reicht naturgemäß vollkommen - der Preis ist schon recht günstig - vorteilhaft ist auch, dass die nicht nachbearbeitet werden müssen
LG
Bernd
Zitat von: CowBoy am 14 November 2024, 11:13:57Ich ziehe diese Muttern mit 150 Nm an - hat bislang immer gehalten.
Als ich mir mal eine Dnepr-MT10 "gegönnt" hatte, durfte ich mir von der benachbarten Schrauberbude so Einiges anhören.
Sehr beliebt war: "Wenn man die russischen Schrauben anzieht, werden die nicht fester - nur länger !" ...
Bei meinem Ish-Jupiter war ein Satz Anschlussteile mit Schrauben dabei. Diese waren so liederlich gefertigt, dass sich eine Benutzung verbot. Unter anderem waren die Sechskantköpfe gegenüber den Gewindeschäften völlig außermittig.
Vermutlich kommen auch bei den Russenmopeds alle Teile vom Kung Fu Hersteller wie nahezu alles, egal ob Puch Maxi, Simson, Bmw oder was auch immer wo es eine große Fangemeinde gibt.
Ich weiß nicht warum, aber eine Mutter, die mit 120-150 NM angeballert werden muss, kann für 3 Euro nur Müll sein. Aber vielleicht bin ich da auch nur zu zimperlich.
Mein Arbeitskollege hat auch einige Russengespanne, der berichtet auch nix Gutes vom Material.
Bei den Russen/Chinesen-Teilen muß man sehr genau auf die Quellen und Baujahre achten.
Uralte NOS-Teile, insbesondere die für die Armee gefertigten in braunem seewasserfesten Fett konservierten sind einwandfrei.
Russische und Ukrainische Fertigung Anfang bis Ende der 90er Jahre ist zu 80% Müll.
Ukrainische Fertigung Anfang der 2000er Jahre bis zum Schluß ist wieder nahezu uneingeschränkt top.
Beim Chinesen kommt es auf die Fertigungsstätte an. Ich hatte eine Schwungscheibe in Händen, gegen die jedes BMW-Teil freundlich gesprochen grenzwertig war (Konussitz).
Beim Mitnehmerflansch in Achsantrieb ärgere ich mich, dass ich nicht gleich 5 Stück bestellt habe.
Speichennippel mit exzentrischen Bohrungen und nicht maßhaltigen Vierkanten sind da die Regel, Flachdichtungen werden
anscheinend mit der Nagelschere aus Zeitungspapier in Heimarbeit ausgeschnitten...
Die Ankerplatten für die Vorderradbremse kommen aus einem Werk mit maßhaltigen Bohrungen für die Steckachse und den Bremsschlüssel, aus dem anderen Werk klappert die Steckachse mit Zehntel Lust ind eer Führungsbuchse.
Leider muß man das mal in der Hand gehabt haben, um für das nächste Mal Bescheid zu wissen.
Andererseits sind für eine komplette Ankerplatte mit Bremsschlüssel/Hebel/Bremsbacken und Federn 49€ auch kein Geld.
Zitat von: strichzwojan am 14 November 2024, 14:27:07(...) Unter anderem waren die Sechskantköpfe gegenüber den Gewindeschäften völlig außermittig.
Die hast Du hoffentlich nicht entsorgt.
Das sind ganz spezielle Sonderschrauben ...
https://etel-tuning.eu/produkt/sonderschraube-seitenkopf/
Zitat von: strichzwojan am 14 November 2024, 14:27:07[...]
Unter anderem waren die Sechskantköpfe gegenüber den Gewindeschäften völlig außermittig.
Da hat der Azubi wohl schlecht aus dem vollen Sechskant gefeilt ;D.
Nee, mal ernsthaft:
Wie kann man sowas überhaupt fertigen? Schraubenköpfe werden ja geschmiedet, da muss in dem Fall die Führung der Schmiedeform total ausgeleiert/verschoben sein 🤔
MfG
Hallo,
erstmal Danke für die Tipps.Das Getriebe macht beim schalten Probleme. Die Gänge 2 und 3 muss ich immer suchen, denn sie rasten nicht sauber ein. Darüber hinaus leckt das Getriebe Öl wie eine Gießkanne. Die WeDis kann ich zwar von außen wechseln, aber wo ich schon dabei bin mache ich die Mechanik gleich mit.
Einen 2 Arm Abzieher kann ich besorgen. Wenn ich die Abstützung im Mitnehmerflansch aus (Hart)holz, wie bei Hubis Bild, bauen kann, komme ich weiter. Zu irgendwas muss meine Schreiner Lehre ja gut gewesen sein.
Evtl. nehme ich auch mal mit Uwe Graf Kontakt auf.
Zitat von: BeerOnBike am 18 November 2024, 20:25:40... Wenn ich die Abstützung im Mitnehmerflansch aus (Hart)holz, wie bei Hubis Bild, bauen kann, komme ich weiter. Zu irgendwas muss meine Schreiner Lehre ja gut gewesen sein ...
Kleine Anmerkung...ich hab seinerzeit Buche Multiplex in Materialstärke der Zapfenlänge genommen, hat sich auch schon mehrfach bewährt...als Alternative zum Vollholz...
Viele Grüße, Ute
Die Russen haben halt andere Prioritäten als "schöne" Schrauben .....
https://www.youtube.com/watch?v=JUlI8muGB-o
Unglaublich
Frontantrieb, habe ich noch nie gesehen
Guck mal genau. Der hat Allrad inkl. Beiwagen!
Zitat von: Hodima am 19 November 2024, 15:05:13Unglaublich
Frontantrieb, habe ich noch nie gesehen
guggsdu Megola
Hubi
Naja, aber Megola hat ja nur Frontantrieb..
Und wenn schon was in der Art, dann lieber die Friedenstaube....
Liebe Grüße, Ute
Schaut mal nach ,,Yamaha WR 450 F 2-Trac". Die gab es sogar ,,in Serie".
Ansonsten sind mir nur Studien/ Prototypen bekannt.
Ich meine(!) bei `ner Dakar sind mal Allrad-Moppets von Yamaha und KTM eingesetzt worden.
Jörg
Ganz hübsch die Megola aber,
das Teil hatte kein Getriebe und keine Kupplung.
Nach jedem Stop musste man es neu anwerfen, entweder anschieben oder aufbocken und
am Vorderrad drehen.
Oh Mann !
Dann lieber doch die Friedenstaube.
Die hatte glaube auch ein 2-Gang-Nabengetriebe inkl. Kupplung.
Wäre ja mal interessant, wie das Fahrverhalten in den Serpentinen mit Frontantrieb ist ::)
MfG
Friedenstaube? ???
Zitat von: Fred am 20 November 2024, 15:17:13Friedenstaube? ???
https://www.berglaufpur.de/berglauf/Motorrad_FriedenstaubeFreundKillinger.htm
Alle Achtung! :thumbup:
Frohes Fest allerseits,
das hier ist meine Lösung, um den Getriebeflansch abzuziehen. Zusammen mit einem 2 Arm Abzieher hat das wunderbar geklappt:
Servus Stephan.
Wäre mir wahrscheinlich zu "wackelig", denn wenn es verkippt, ist der Flansch gleich im Eimer. Aber wenn es für Dich funktioniert hat, ist's doch klasse :thumbsup:
Viel Erfolg bei der weiteren Getriebeüberholung (und Frohe Weihnachten), Ute
Meine Lösung sieht so aus (Bild) + Abziehen. Hat sehr gut geklappt.
Euch allen wünsche ich ein gutes, erfolgreiches Neues Jahr 2025!
/Users/Martin/Documents/Fahrzeuge/BMW R25/Bilder/DistanzSt.jpeg
Gruß,
Martin