BMW Einzylinder-Forum
ALLES RUND UM´S THEMA OLDIE-RESTAURATION => Bauteile & Co => Thema gestartet von: oldie55 am 27 Mai 2014, 15:26:25
Hallo,
nachdem ich nun viele Seiten über die div. Filzringe gelesen habe, bin ich trotzdem noch nicht schlau geworden wie ich die Ringe (hauptsächlich Getriebeausgang, im Kardan R25/3) vorbehandeln soll.
in Glycerin einlegen
mit normalem Öl tränken
gar nichts machen
Gefühlsmäßig hätte ich's mit einem dickflüssigen Öl gemacht, wie man es auch für die Filze von Unterbrechereinheiten nimmt.
Vielen Dank für eine aufklärende Antwort.
Grüße Hans
aus dem verregnetem München
glycerin ist glaub ich korrekt...
Leg den Ring in Getriebeöl ein und gut ist. Der Filzring wird stetig durch das Öl im Getriebe "benetzt". Warum hier ein dreiwertiger Alkohol notwendig sein soll ist mir nicht einsichtig.
Bernd
Ich habe den letzten Winter trocken eingesetzt.
Ging auch ;D
Also:
Die Relativbewegung der Dichtelemente ist translatorischer Art.
Hat man den Schock verdaut, kann man bei Dr-Ing. Dr.h.c. Waldemar Steinhilper und Dr.-Ing. Rudolf Röper
"Reibung, Schmierung, Lagerungen" Springer, 1994, nachlesen, dass das Problem der Lagerung von Achsen und Wellen und deren Schmierung schon so alt ist,
wie die Erfindung des Rades, die sich etwa in die Zeit 3000 vor Christi Geburt einordnen läßt.
Das Kapitel über Sumerer und andere menschliche Frühkulturen überspringen wir und steigen bei der "Stopfbuchspackung" wieder ein.
Bei der Stopfbuchspackung wurde ein weicher Dichtkörper in einen zylinderischen Einbauraum verbracht.
Fertig war der Vorgänger des Gleitdichtrings; zeitlich befinden wir uns in etwa kurz vor 1920.
Daher kommt auch der Filzring, der technisch gesehen kaum etwas anderes ist, als eine vorkonfektionierte, nicht im zylinderischen Einbauraum variable Stoffbuchspackung; eben mit Filz.
Und was soll das jetzt?
Weshalb hat BMW z.B. bei der R25/3 also etwa in den 50er Jahren immer noch Filzringe eingesetzt, obwohl, schaut mal im Kardan gegenüber, Simmerringe bereits gang und gäbe waren?
Ganz einfach:
Gekapselte Filzringe taugen auch nach über 50 Jahren und zwar teils besser als Simmeringe, die irgendwann zum Zerbröseln neigen.
Überall dort, wo keine Drücke auftauchen und minimale Leckagen unschädlich sind, sind die Dinger eine Klasse für sich.
Das setzt natürlich voraus, dass die drehenden Achsen die Filze nicht etwa zum Rauchen bringen oder sonst materialmindernd wirken.
Trockene Filzringe funktionieren daher, bis Hitze den Filz verformt und es Essig mit der Dichtwirkung ist.
Nicht lustig, wenn dann deswegen vorzeitig das etwas teurere große Rillenlager koppenheister geht.
Daher geht es bei der "Behandlung" von Filzringen vor Einbau sowohl um Langlebigkeit, wie Dichtwirkung.
Einlegen in Öl ist dabei probat und tauglich, aber nicht der Weisheit letzter Schluss.
Glycerin, besser Glycerol, da es ein Alkohol ist, ist technisch gesehen u.a. ein Schmierstoff.
Es weist eine Viskosität auf, an die Motoröl nicht, bei weitem nicht herankommt. (Glycerin: 1480 mPa·s / Motoröl ca. 100 mPa·s/Wasser 1 mPa·s)
Oder wollt ihr etwa eine Dichtung aus der Medium, welches das Dichtmittel flexibel halten soll, heraustropft?
Na ja, ich habe am Sonntag zwei alte Filzkapseln nebst Originalfilzen wieder verbaut; immer noch besser als die Nachbauten und das nach 50 Jahren.
Da Glycerin in herkömmlichen Schraubergaragen seltener anzutreffen ist als Motoröl, habe ich Motoröl genommen und die Teile vorsorglich mal eingelegt.
Das hat die überhaupt nicht beeindruckt. Ein voller Filz ist ein voller Filz.
Motoröl oberflächlich abgewischt, dünn das gute grüne Radlagerfett drüber und verbauen.
Deswegen hat Kruemel seit ca. 2006 in Sachen Filzring eigentlich Recht.
:applaus: :applaus: :applaus:
Ich hab einen Tag in Motoenöl eingelegt. In 50 Jahren nehme ich dann Glycerin ;D.
Gruß Thomas
ich fette die einfach (Lagerfett)
falsch ? wieso ?
nicht falsch weil Fett nicht wasserlöslich (Glyzerin aber sehr wohl).
Fett nehm ich auch für die Ringe der Radlagerverschraubungen
Zitat von: cledrera am 27 Mai 2014, 22:28:50
...steigen bei der "Stopfbuchspackung" wieder ein.
Bei der Stopfbuchspackung wurde ein weicher Dichtkörper in einen zylinderischen Einbauraum verbracht.
Fertig war der Vorgänger des Gleitdichtrings; zeitlich befinden wir uns in etwa kurz vor 1920.
Daher kommt auch der Filzring, der technisch gesehen kaum etwas anderes ist, als eine vorkonfektionierte, nicht im zylinderischen Einbauraum variable Stoffbuchspackung; eben mit Filz.
Moin,
Du weißt aber wie eine Stopfbuchspackung funktioniert und wo sie eingesetzt wird?.... Man könnte sie als verwandt mit den Filzringen bezeichnen, mehr aber auch nicht.
Heiko
Heiko,
grundsätzlich ja.
Gesehen habe ich die noch nie.
Erzaehl mal.
Clemens
PS: Nur fetten funktioniert, ist aber nicht so gut, da das Fett nicht in den Filz eindringt.
http://www.mikail-can.de/resources/4.1+Vorlesung-Wellendichtungen.pdf (http://www.mikail-can.de/resources/4.1+Vorlesung-Wellendichtungen.pdf)
Bernd
Gangbar gemacht
Vielen Dank an alle für eure Gedanken zum Filz.
Ist ja nur eine Lappalie, aber halt doch interessant wie so was früher gemacht wurde. (Obwohl Filzringdichtungen im Maschinenbau immer noch erwähnt werden).
Hab' dann auch noch weitergeforscht und eine Vorgabe gefunden, dass die Filzringe vor Gebrauch in heißes Öl gelegt werden sollen.
Viele Grüße
Hans
Der Link geht nicht Bernd.
Hans,
isch haben Blut geleckt.
Kannst du die Vorlage hier verfügbar machen.
Heiko,
von sowas wie, der Link geht nicht, darf man sich doch nicht ausbremsen lassen.
Nimm diese Adresse: http://www.mikail-can.de/resources/4.1+Vorlesung+Wellendichtungen.pdf (http://www.mikail-can.de/resources/4.1+Vorlesung+Wellendichtungen.pdf)
Bernd,
schöne pdf. Der empfiehlt auch heißes Öl. Aber ohne Begründung.... :-\\
weil es dünnflüssiger ist
Nebenbei: Filzringe ohne Öl wirken wie Einstechmeissel.
Zitat von: Heiko am 28 Mai 2014, 13:40:16
Der Link geht nicht Bernd.
@Clemens:
Eine Stopfbuchse dient zur Abdichtung, z. B. eines Schiebers oder einer Kolbenstange an der Einführung zum Zylinder, der unter Druck steht und kann nachgespannt werden. Ein normaler Dichtring aus Filz würde dort sofort rausfliegen.
@Clemens: das war der gleiche link wie von Bernd, ist mir nur zuvorgekommen.
Hans
Danke Heiko,
jetzt wird deutlich, dass der Anwendungsunterschied Stopfbuche/Filzring in den Druckverhältnissen und dem Nachspannen liegt.
@Rolf,
phh. ;)
Flüssiges Öl erhitzen damit es dünnflüssiger wird und nach dem Erhitzen immer noch flüssig ist.
Das sagt mir, dass der Filz gut eingölt wird und gut ausölen kann.
Nur gut, dass es sowas wie Filzringkapseln gibt.
Sonst wäre der Filz ratzfatz wieder in Einstechmeißelqualität. (Schöner Vergleich, das mit dem Meißel.)
Glycerin ist da eine andere Hausnummer.
- Der Schmelzpunkt liegt bei 18 Grad Celsius.
- Der Siedepunkt bei 290 Grad Celsius.
- Die Viskosität bei 1480 mPa·s (Motoröl ca. 100 mPa·s, Wasser 1 mPa·s).
- Es wird durch Benzin oder Benzole nicht gelöst.
Erhöht man die Viskosität von Glycerin durch Wärme bis zur Dünnflüssigkeit, dürfte es in den Filz eindringen.
Erkaltet des Ganze, dürfte daraus ein fest mit dem Filz verheirateter Schmierverbund werden.
Nachdem ich bei Mair, Das Kraftrad, 2. Aufl., 1937, nur finden konnte, Filzringe "saugen sich mit Öl und Fett an" und der Hertweck sich gänzlich ausschweigt,
gehe ich wohl zum Feldversuch über.
Nur Öl halte ich jedenfalls für nicht gut genug. Ich würde da immer noch etwas Fett aufstreichen.
Fett war ja schon 1937 im Spiel!
Ist also very old school.
Die Beständigkeit von Gylcerin gegenüber Wasser ist gleich Null, ich rate vom Gebrauch dieses Alkohols bei den Filzringen insbesondere bei den Radlagern dringend ab.
Bernd
Und das ist ein echtes Argument.
Bernd,
das Radlager sitzt übrigens. ;D
Clemens,
Was hast du gemacht bzw was war nicht in Ordnung?
Zitat von: cledrera am 28 Mai 2014, 07:18:55
PS: Nur fetten funktioniert, ist aber nicht so gut, da das Fett nicht in den Filz eindringt.
doch, wieso nicht ? spätestens wenn es etwas warm wird, was eigentlich überall passiert wo Filzringe sind. Fett ist auch nur dickes Oel.
Zitat von: berndr253 am 28 Mai 2014, 00:08:08
Fett nehm ich auch für die Ringe der Radlagerverschraubungen
ich habe auch nur da Filzringe...(und noch auf der Kupplungsstange, den öle ich), sonst gibts keine bei den Schwingen, oder ?
Ich behandle den Filzring mit dem was er am ausfliessen hindern soll: Fett beim Radlager, Oel im Getriebe. Macht für mich Sinn.
@ Timmaeh,
Nkis17 nicht tief genug gesetzt.
Hallo,
wollte noch kurz berichten wie es meinen Filzringen ergangen ist.
Nachdem ich sie einen Tag in Öl (SAE40) gelegt habe und sich nicht viel getan hat, habe ich das Öl auf ca. 130°C erhitzt und schon kam Leben in die Sache. Die Luft begann richtig aus dem Filz zu perlen (schäumen wär' übertrieben) und nach dem Abkühlen und Abtropfen sind sie jetzt richtig voll ohne zu suppen.
Schönen Restsonntag noch
Grüße Hans