Zylinder zum Ausdrehen einspannen

Begonnen von 4Taktix, 08 August 2025, 10:12:10

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4Taktix

Moinsen Foristi,
aus reiner Experimentierfreude möchte ich mal versuchen, bei einem deutlich verschlissenen Zylinder
die durch die Kolbenringe entstandene "Stufe" im OT zu egalisieren.
Er muss also auf dem "Männeranspitzer" so eingespannt werden, dass von der "Kopfseite" her bearbeitet werden kann.
An der Laufbuchse unterhalb Fussdichtung möchte ich den nicht ohne Weiteres im Dreibackenfutter spannen,
das würde die Laufbuchse vermutlich dauerhaft verformen. (egal ob von innen oder von aussen gespannt)
Kann man den gefahrlos auf der Planscheibe spannen - 4 Stck. M10-Schrauben durch die Fußlöcher,
ohne dass sich der Fussflansch verzieht ? ( Die Laufbüchse "steht" auf der Planscheibe, bzw. stützt sich da ab)
Oder alternativ einen "passenden" Stahlzylinder/Kolbenersatz in die Laufbuchse unterhalb Fuss setzen,
der die Laufbuchse beim Aussen-Spannen im Dreibackenfutter "in Form"/"rund" hält ?
Think outside the box !

4Taktix


Think outside the box !

Stefan

Flansch drehen, der das Motorgehäuse simuliert und den Zylinder dann wie am Motor daran verschrauben.

Zuerst grob vordrehen, die Gewindebohrungen für die Stiftschrauben herstellen und dann Fußdichtfläche sowie Laufbuchsenbohrung (saugend zur Buchse) fertigdrehen und das eingespannt lassen. Damit läuft der Zylinder perfekt winklig und konzentrisch.

Wenn Du Pech hast, ist die Zylinderbohrung schief gebohrt oder die Fußfläche verzogen und die Kopfseite eiert nun. Dann mußt Du russisch mit Dreikantschaber oder Schmirgel egalisieren.

Deine Ideen zerstören entweder den Zylinder oder halten ihn nicht sicher.

Gruß
Stefan
The evil is always and everywhere!

4Taktix

#2
Wäre als Alternative denkbar, den Fussflansch auf 4 exakt gleichlangen, dickwandigen "Buchsen" abzustützen ?
Je eine pro Fussschraube, Länge so gewählt, dass die Laufbuchse sich nicht mehr auf der Planscheibe abstützt ?
Korrektur: Gleichlang wie die Laufbüchse, bzw. 1/10 mm kürzer.
Think outside the box !

Stefan

Das würde ich dann aber nur mit ganz geringer Drehzahl rotieren lassen. Der Zylinder ist ja vermutlich ziemlich unwuchtig und ob die Buchsen den bei höheren Drehzahlen ordentlich halten bezweifele ich.

Die Buchsen müssen länger sein als die Laufbuchse, diese darf die Planscheibe nicht berühren.

Zudem: Viel Spaß beim zentrieren!
The evil is always and everywhere!

4Taktix

#4
Ich seh' schon - das wird wieder alles viel aufwändiger, als gedacht.
Stefan - ich bin geneigt, Dich "Anabelle" zu nennen.  ;D  ( ... komm, sei so gut, mach' meine heile Welt kaputt! ... )
Ich weiß ja, dass Du Recht hast.
Aber: langsame Drehzahl ist selbstverständlich ( 125 U/min, langsamer kann mein Riemenantrieb nicht )
Es geht auch nicht darum, auf ganzer Laufbuchsenlänge spanabhebend ein präzises "Übermaß" herzustellen,
das dann nur noch gehont werden müsste.
Es soll lediglich die "Stufe" oben im Zylinder ( ca. 4mm ) beseitigt werden. Also "Profimurks"  ;D
Je nachdem, wie gut die Zentrierung auf der Planscheibe gelänge, würde ich dann entscheiden,
ob ich mit geeignetem HM-Stahl vorsichtig ein paar kleine Spänchen abhebe,
oder einen Stabschleifer mit Fächer-/Lamellenschleifer am Stahlhalter befestige und damit nur dieses Stückchen
in den Zylinder fahre und immer wieder den Abtrag prüfe.
Danach mit so einem Hobby-Dreiarm-Hongerät durch. ( was übrigens besser funktioniert, als je gedacht )

Ich hatte meinen alternativen Aufspannvorschlag extra korrigiert, eben damit die Laufbuchse auf der Plansscheibe steht. Wenn sich der Zylinder "nur" auf den 4 Buchsen abstützen würde, wäre mir das rein vom Bauchgefühl her
unsicherer, als zusätzlich noch auf der Laufbüchse mit großem Querschnittsdurchmesser.
Deswegn ja die Buchsen 1/10mm kürzer, dass nur begrenzte Spannung auf den Zylinderfuss und Laufbuchse kommt.
Nein ?

Think outside the box !

Heiko

Die Frage ist ja eigentlich eher: Wozu, um Gottes Willen, Sascha?  ;D
Ariel motorcycles... upon which the sun never sets.

4Taktix

Nein - die Frage ist: Warum saufen Elefanten ?
Think outside the box !

4Taktix

Think outside the box !

4Taktix

Zum einen: Dazulernen !
Zum Anderen: Wenn ich schon eine Garnitur leicht jenseits der  Verschleissgrenze Testfahre,
sollten bei 4mm mehr Hub nicht auch noch die Kolbenringe gegen eine Stufe laufen !
Hintergrund: Vergaser und Zündung sollen optimal eingestellt sein, bevor ich eine "neue Garnitur" einfahre.
Beim Einfahren mit nicht optimalem Setup dürfte es schwierig werden, etwaige Unregelmäßigkeiten eindeuetig zuzuordnen.
-> Ist jetzt Gemisch oder ZZP grob falsch, oder kündigt sich grad ein Klemmer/Fresser an ?
Think outside the box !

Eppo

#9
Ich würde da garnicht mit einem spanabhebenden Werkzeug ran gehen.
Um einen sauberen Span abzuheben, brauchst du sicher mehr Einstich, als die Stufe in der Lauffläche hat.

Wenn dann eher Schleifen, das ginge dann aber auf einer Fräse viel besser und da kannst du den Zylinder zur Schwerkraft einspannen. An der Drehmaschine zieht das Gewicht des Werkstücks immer aus der Rotationsachse heraus.
Ich habe schon so einige Erfahrung mit ZK und Krümmergewinden auf der Drehmaschine gemacht, Fazit:
kann man machen, bei genügend Auswuchtung/Gegengewicht und mitlaufender Spitze, aber auf der Fräse mit stehendem Werkstück und drehendem Werkzeug geht besser.
Du kannst gern den Versuch wagen und deine Erfahrung teilen.

Nebenbei: es heißt ja nicht umsonst "Zylinderschleiferei"  ;D

 :popcorn:
Eppo
Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

4Taktix

Noch 'ne Annabelle 😄
Isch 'abe gar kein Frräse
Think outside the box !

mekgyver

#11
Ist natürlich richtig, wie Eppo das sieht, aber wenn man keine Fräse hat und den Job nicht abgeben will und es verdammt nochmal selbst machen will, weil sowieso keine Knete übrig ist, dann ...

baut man sich was, bei mir war alles topfit, deshalb veröffentliche ich das hier.
Den Futterflansch (125er)  habe ich übrigens aus einer Graugussscheibe GGG40 selbst gefertigt, das dürfte auf meiner Weiler Baureihe 220 und neuen Kegelrollenlagern (vor ca 30 Jahren :-) an der Spindelwelle recht gut präzise sein.
Nebenbei es war ein 300er Isetta-Zyl 72,5mm, die Maschine läuft seit mehreren tkm recht gut.

Gruß mek O(utside the box)  ;D

Der Umbau ist aus Mai 2019
... 73er-Gang

Eppo

#12
Sehr massiver Flansch  Mek :thumbsup:,
Aber beim Plandrehen wirken nochmal andere Kraftachsen gegenüber Längsdrehen.

Oder hast du damals auch die Lauffläche bearbeitet?

MfG
Eppo

Nix muss, alles kann 🛠
Geht nicht, gibt's nicht. Einfach kann ja jeder 😁.

4Taktix

Ich fahr' gleich in'n Baumarkt - es juckt !  ;D
Think outside the box !

Stefan

Ich hab das mal an einem Vespa-Zylinder gemacht: freihand ohne Drehmaschine mit dem Dremel und Schleifstein. Immer wieder mit dem Fingernagel die Kante erfühlt, bis sie weg war. Danach mit Schmirgelleinen ,,gehont". Reicht vollkommen aus.
The evil is always and everywhere!

4Taktix

#15
So hätte ich es auch machen können/sollen.
Aber ich hatte mir von der "Bearbeitung" auf der Drehbank einen gleichmäßigeren Abtrag erwartet.
Da ich nicht "spanend" bearbeiten wollte, sondern mit einen 40mm Fächerschleifer auf dem Dremel im Stahlhalter,
waren keine großen Kräfte zu erwarten.
Daher habe ich mich entschieden, den Zylinder wie ursprünglich geplant auf die Planscheibe zu spannen.
Laufbüchse aufgestützt, 4 Schrauben M10 x 70 SW17 durch den Fussflansch.
Die T-Nuten in meiner Planscheibe haben 16mm Breite - ich habe einfach je 2 gegenüberliegende Schlüsselflächen
pro Schraube mit der großen Schlichtfeile abgefeilt, bis die Schraubenköpfe in die T-Nuten passten.
Zylinder nach Augenmaß grob zentriert, Muttern nur handfest angezogen.
Dann die Planscheibe mit Zylinder auf der Drehbank montiert.
Zentrierung mit Messuhr Zylinder innen kontrolliert.
Eure Ahnung war schon begründet - ich brauchte ca. 20 bis 25 Korrekturen auf verschiedene Art,
bis ich von Anfangs 0,7mm auf 0,05mm "Schlag" gekommen war.
Alle Muttern fest gezogen, nochmal Kontrolle auf Schlag - unverändert.
Kurzer Testlauf mit 125 U/min - läuft ruhig, soviel Unwucht ist da nicht.
Die Muttern habe ich nur "fest" gezogen, nicht "angeknallt".
Das mit der Einspannung hat also für diesen Zweck schonmal funktioniert.

Die 0,05mm Schlag halte ich für vertretbar, da zum Einen der Fächerschleifer elastisch nachgibt,
zum Anderen die Spindel vom Dremel-Klon schon mehr als diese 0,05mm "Spiel" hat.

Edding hilft sehr gut zur Kontrolle, "wo" man gerade Material abträgt.
Dazu noch Kontrolle mit dem Puppitaster, um mal eine Größenordnung zu haben.
Die Stufe konnte ich so von anfangs ca. 0,02mm bis auf ca. 0,004 bis 0,008mm bringen.
Diese war vorher schon nicht auf dem ganzen Umfang überall gleich.
Sehrwahrscheinlich ist der Kolben durch den Pleuellagerschaden am gebraucht gekauften Motor zuletzt nicht
mehr 100% winklig/Lotrecht im Zylinder gelaufen, daher die ungleichmäßige Stufentiefe.
( In Kolbenbolzenlängsrichtung unterschiedlich, daher diese Annahme )


Think outside the box !

4Taktix

Die Kontrolle mit dem Puppitaster zeigte auch, dass es wohl keine so gute Idee war,
immer wieder erneut mit dem zugestellten! Fächerschleifer "einzutauchen", statt diesen erst einzutauchen
und dann erst zuzustellen. Jetzt weitet sich die Zylinderbohrung auf den obren 3 bis 4 Millimetern Höhe
um ein knappes Hundertstel Millimeter auf.
Auch bei der Stufe zeigte sich, dass sich mit "nachgebenden" Schleifmitteln nicht so gezielt abtragen lässt,
wie gewünscht. Daraufhin habe ich dann diesen 3-Arm-Honapparat (China-Billo) noch einige Male durchgezogen,
bis der "Kreuzschliff" auch in der Vertiefung unter der Stufe zu sehen war.
Zusätzliche Kontrolle mit Edding-Strichen.
Think outside the box !

4Taktix

Nachdem das für mich halbwegs "akzeptabel" aussah, habe ich den Zylinder von der Planscheibe abgenommen,
mit Bremsenreiniger penibel gereinigt, eingeölt und den Kolben mit Ringen eingeschoben.
Einige Male von OT bis UT geschoben um zu sehen, wo die Ringe die Edding-Striche wegstreichen. (mühsam!)
Dabei fiel auf, dass diese Striche im Bereich der Kopfschrauben stärker weggewischt wurden, als dazwischen.
Der Zylinder ist also im entspannten Zustand nicht ganz rund.
Final nochmal mit viel Caramba und dem 3-Arm-Honapparat im Akkuschrauber ausgiebig durchgehont.
Bei genauerer Betrachtung mit "Durchblick" und Gegenlicht fiel auf, dass auch auf Höhe des UT jeweils im
Bereich der Fusschrauben 4 leichte "Taschen" in der Lauffläche sind.
Diese können jedoch nicht von meiner Art der Aufspannung stammen, da ich "aufgespannt" nur die oberen 10 mm
im Zylinder bearbeitet habe. Beim Durchhonen war der Zylinder nirgends ein- oder aufgespannt.
Jetzt habe ich eine gute Vorstellung davon, wie sehr sich ein Zylinder durch das "Einbauen" verformt,
und warum unter Anderem ein gewisses "Einbau-" bzw. "Laufspiel" zwingend erforderlich ist.

Bühne frei für die "Siehste, hab ich doch gesagt"- Fraktion.

Aber: Ich hab's getan ! Und ich habe gelernt ! Und ich habe jetzt eine bessere und genauere Vorstellung,
als nach hundert YT-Filmchen zum Thema. -> unbezahlbar !  ;)
Think outside the box !

Fastnachter



Zitat von: 4Taktix am 11 August 2025, 11:29:42Bühne frei für die "Siehste, hab ich doch gesagt"- Fraktion.

Siehste hab ich doch gesagt!

Ehm, ne, hab ich ja garnicht.
TROTZDEM!

"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen." (Kurt Marti)

4Taktix

Ausgerechnet Du Jan - ich bin erschüttert !  ;)  :D
Think outside the box !

Fastnachter

Sascha ich finde doch gut, dass dus probiert hast.
Und zur Not: Bohren, honen, fertig.
Ich habe schon mehr Lehrgeld gezahlt!

Gruß

Jan.
"Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen." (Kurt Marti)

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