Steuerketten Qualität

Begonnen von Rütz, 22 März 2007, 15:05:37

« vorheriges - nächstes »

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Rütz

Hallo Leute,

ich habe meine neue Steuerkette ausgepackt und bin erschrocken! :o
Sie ist auch von IWIS, wie die alte. Aber:

- sie ist neu fast 0,5 mm länger als meine alte mit 20.000 km!
- die Rollen sind nicht nahtlos, sondern einfach umgebogene Blechstreifen!!
- alle Spiele (z.B. seitliches Einbauspiel der Rollen) und Toleranzen (z.B. seitliche Verschiebbarkeit der Glieder) sind deutlich (!) größer als bei der alten schon lange gelaufenen Kette!!!
- das beigelegte "Kettenschloß" mutet mir fast an wie ein Scherz.

Und günstig war sie auch nicht... >:(

Bin ich mal wieder zu empfindlich? Was sagen die Ingenieure?
Liegt es an der heute üblichen Ausführung "Standartlänge"? Die alte war vielleicht eine "echte" mit Längenkennung blau (obwohl ich glaube, daß ich auch damals schon "Standartlänge" gekauft habe).

...und ich strunz noch rum von wegen häufigem Kettenwechsel... ::) :kopfhau:


Anselm N(ever change a working sparepart...)


PS:
Bitte diesen Tret bis mindestens Antwort #12 lesen! Am besten ganz.
(edit. zur Mißverständnisvermeidung ;))
I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

Rütz

I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

kruemel

hi rütz!

das sieht mir nach massivem schund aus... diese kettensicherung hat den namen nicht verdient und die blechstreifen seher auch nicht vertrauenserweckend aus. meine damals (2003) ausgewechselte kette sah " besser" aus... Die Kettensicherung an sich ist ja schon dafür prädestiniert, karls 13er nuss gesellschaft zu leisten...

Forums "Kernkruemel" ;-)
BMW R24 und Isetta 300

sigi_rs

#2
Hallo zusammen,
das ist ganz einfach: Iwis ist ein Kettenhersteller in München, der in der Riege der Kettenproduzenten in der Oberklasse spielt. Unsere Steuerkette ist jedoch eine "einfache Rollenkette", im Gegensatz zu Fahrzeugen, wo sogen. Gliederketten verbaut werden, die wirkliche Hightech-Produkte sind. Früher wurden die guten alten Steuerketten hier gefertigt, nur gibt sich kein Hersteller, den ich kenne, noch mit dem kleinteilgem Mist ab. Geld kann man in diesem Geschäft nur noch mit Spezialketten verdienen und so hat jeder Hersteller seine "Dependance" in China oder Indien bzw. kauft die da. Oft sind die alten Hülsenwickelmaschinen, Streckmaschinen und Montageautomaten nach drüben verkauft worden.
Tatsache ist, man muß heute Glück haben, was man bekommt. Unter den gleichen Namen können Ketten diverser Hersteller und Qualitäten geliefert werden. Man kann Glück haben oder auch Pech. Normalerweise stellen die Chinesen oder Inder auch nahtlose Rollen für die Ketten her. Vielleicht kommt das Zeug aus Russland oder noch weiter weg? Keine Ahnung. Kein Hersteller gibt seine Bezugsquellen gerne preis.
Jedoch bin ich zu 99,9% sicher, daß sich kein Hersteller heute noch mit ner popeligen Simplex-Rollenkette, wie in unseren Geschossen vorhanden, abgeben möchte, es sei denn man ordert mehrere Kilometer Kette pro Jahr.

Viele Grüße
Jörg

Andre.Hubein

Sach doch mal,Anselm wie teuer war die Kette?
Für den Satz,also Kettenräder,Kette,Spanner und Dichtring bei Ebay,die aus der Isetta Ecke kamen habe ich knapp 40.-Euro gezahlt,die gehen aber auch schonmal für über 50.-weg,trotzdem günstig oder?Die Qualität war sehr gut,sah wie orginal aus.
Gruß André.

emm

#4
Tach,
das müsste eine DIN-ISO B6-01 (3/8 x 7/32 ; 9,525 x 5,72 x 6,35) sein?
Da hätte ich ein paar Links:

(Bezugsquelle müsst ihr selber suchen)
http://www.maedler.de/katalog_de/katalog/index.htm (hat einen Online-Shop)
http://www.ketten-theiss.de/index.php?p=4 (hat auch Rexnold und verkauft zugeschnittene Stücke)
http://www.macadam2roues.fr/fr/famille.php?PHPSESSID=d4cfc9a115ff4e0134894ac7eacd870c&idrayon=3&idfamille=40 (da habe ich meine Ketten bestellt, preislich besser als in Deutschland)

Markus

(der Fahrradhändler vor Ort mit eigener Werkstatt könnte auch ein heißer Tipp sein!)
Alt werden ist unausweichlich, erwachsen werden optional...

Heiko

Hi,

wo hast Du die Kette denn her Anselm?
Also die Rollen mit Naht finde ich ja schon heftig!

Heiko
Ariel motorcycles... upon which the sun never sets.

Rütz

Fängt mit "R" an und hört mit "auer" auf (aber selbst hergestellt habe ich sie nicht ;D).
Kostet dort ~13,-€. Im Gegesatz zu 7,50 € bei Stemler und anderen Händlern.
Von der wertigen Verpackung (mit Hologramm etc...) war ich auch unheimlich angetan und habe sie daher erst jetzt (2 Monate nach Lieferung) ausgepackt.

Wie leicht man sich doch blöffen läßt... :-\\

Anselm
I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

guest805

Hallo, da sollte man sich doch wirklich gut Überlegen ob man ein zerschlissenes Original BMW Teil gegen ein noch schlechteres Neuteil vom Fremdanbieter eintauscht. Lieber altes Teil aufarbeiten. Gottfried

rolf

#8
Hallo Gottfried,
das ist leider generell richtig...gerade bei noch älteren Kisten.
Bei den Vorkriegsgeraffel das ich für eine Freund gemacht habe....unglaubliche Qualität (zu stolzen Preisen , versteht sich)...die so hinzubekommen das sie überhaupt (mehr schlecht als recht!!!) funktionieren..da hätte man das Originalteil (wenn man es den bekommt/hat, das ist das Problem) locker auch wieder hinbekommen..in besserer (und original!) Qualität.
wenn der mechanische Abblendschalter in der Lampe (Nachbaulampe, Komplett..ca 450€) aus einen Billig(!!)umschalter aus dem Standleuchtenmöbelbau stammt...funktioniert von vornherein sehr ungleichmäßig ;D und nach dem 5.-10. betätigen gar nicht mehr...der Reflektor reflektiert (immerhin)... aber irgendwechen sinnvolle Bündelungen des Lichts schafft er nicht...Das Glas ist gegossen mit Lunker..damit man nicht zuviele Teile (für andere lampendurchmesser) braucht..eine Form mit großen Rand, der wird dann passend abgeschnitten...Zündschloß..tchechischer traktor...im Prinzip ok... aber wenn denn da ein paar Kontakte fehle um sinnvoll eine Batteriezündung anschliessen zu können und man muß extra Kippschalter anlegen (und Löcher in die teure Lampe bohren)...geht ja auch noch..aber beim Trecker hat man nach oben Platz für den 5cm langen Zündnagel..leider nicht bei einer parallelogramgabel (nach hinten), das sitzt die Feder etc etc

warum in die Ferne schweifen..schaut auch die "neuen" Schaltplatten vom Zündschloß an... die sind so weich, das die sich wegbiegen wenn man den Schlüssel oben reindrückt..ergo: keinen sauberen Kontakt= Zündaussetzer bei hohen Drehzahlen (bloß das diesmal das Einmachgummi nichts nützt).
Meine Fresse...ich schreib mir hier einen Wolf... ich muss wirklich runterfahren...om....om...om...om
Rolf

guest805

Hallo Rolf, habe leider so eine "neue" Schaltplatte vom Zündschloss gekauft statt die alte herzurichten und habe leider den Effekt den du gerade(trotz Wolf)beschrieben hast.Gottfried 

rolf

das habe ich mir gedacht (und deswegen in der beispielliste auch mit aufgeführt)... zur erinnerung, das original bekommt man für max (!!!!!) 50 €...und der nachbau..?

guest805

Gnade! Ich bin doch noch Lehrling! Gottfried

sigi_rs

Zitat von: Heiko am 22 März 2007, 18:18:54
wo hast Du die Kette denn her Anselm?
Also die Rollen mit Naht finde ich ja schon heftig!

Hallo Ihr Steuerkettenfahnder,

ich habe heute mit meinem Kunden (ein großer Kettenhersteller aus Hagen) über das Thema diskutiert. Tatsache ist, das ich da mit "Schund" von Iwis auf dem falschen Dampfer war. :kopfhau: Laut Aussage meines Spezialisten sind die Ketten von Iwis qualitativ sehr hochwertig. Und erstaunlicherweise sind "gewickelte Rollen" ein Beweis für den Einsatz von hochwertigen Werkstoffen. Das liegt daran, daß "Feld-Wald- und Wiesenrollen" aus einfachen Baustählen (oft C45) fließgepresst werden. Sind die Rollen aus hochwertigen Werkzeugstählen (bei Iwis 50 CR Mo V 4), können das die auf dem Markt erhältlichen Fließpressen zum Herstellen dieser Teile nicht mehr bewerkstellen. Die Qualität der fließgepressten Teile ist damit zu schlecht.

Man geht deshalb den Weg, die Rollen aus Bandstahl, welcher in der gewünschten Abmessung leichter in der Werkzeugstahl-Qualität genau genug gefertigt werden kann, herzustellen. Den Nachteil einer Naht nimmt man in Kauf, weil die Rollenqualität trotzdem weitaus besser ist als bei fließgepressten Rollen.

Ein kleiner Wermutstropfen gibt es allerdings: die Ketten sind aufgrund der Naht geringfügig lauter im Laufgeräusch.

@Anselm: mittlerweile denke ich, daß Du dein Geld gut angelegt hast, mein Spezialist sagte was von Faktor 5 bis 10 in der Lebensdauer, trotz Naht. ;)

Viele Grüße,
Jörg 

mekgyver

... 73er-Gang

rolf

Es geht doch nichts über Insiderinfos!!!
Ende gut-alles gut!

Heiko

Na dann! Wie bei den Nylons 1949!  ;D
Ariel motorcycles... upon which the sun never sets.

Rütz

Hallo,

Zitat(ein großer Kettenhersteller aus Hagen)...
Wippermann?
Der hat die Ketten ja früher gemacht und müßte es eigentlich wissen. Habe ich sogar noch eine Packung von. ;D
Der Website nach scheint er aber keine Steuerketten mehr zu machen.

Auch http://www.iwis.com ist recht informativ. Die Ketten für PKW sind sogar gelistet und ...erstaunlich:
In vier BMW-PKW kommt genau unsere Kette (G67BW), sogar mit gleicher Gliederzahl, vor! :o
Alles Isettas? Oder zum Antrieb der Zentralverriegelung? Die aufgeführten BMW-Teilenummern liegen zumindest fern der Einzylinderwelt...

Das mit den Rollen ist beruhigend (...vielleicht nützt es ja auch der Ölhaltung?).
Bleiben noch...

... die Länge:
Ok. Ich habe noch zwei alte Steuerketten gefunden und gelernt, daß sich diese Steuerketten anscheinend im Betrieb gar nicht längen. :o
Selbst eine völlig ausgeleierte mit mehreren cm Durchhang ist nicht meßbar länger!
Der Verschleiß scheint sich allein an den Rollen abzuspielen, wodurch sich die Kette in einem engeren Radius um die Räder legen kann und dadurch länger "wirkt".
So hängt die neue Kette tatsächlich weniger durch, obwohl sie ein Tick länger ist.
Trotzdem würde sie an Gehäuse und Ölröhrchen anschlagen, wenn der Spanner nicht wäre. Ich meine, das wäre früher bei einer neuen Kette nicht der Fall gewesen.

... das "Steckglied" (heißt anscheinend wirklich so... unglaublich! ;D):
Schuld ist das Sondernachsetzzeichen "MSS". Nur warum? Halten diese Seegeringelchen? Wo man jahrzehntelang gesagt gekriegt hat, wie wichtig es ist, daß die Öffnung der Kettenschloßfeder nach der richtigen Richtung zeigt...

... die Frage, warum das Spiel zw. Innen- und Aussenglied 0,6 statt 0,3 mm ist.
Um eine schlechte Kettenflucht besser auszugleichen?


Vielen Dank auf jeden Fall für die detailierten Fachinfos und auch die Links. :blumen:


Anselm
I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

sigi_rs

Hallo Anselm,
genau den großen Hersteller aus Hagen meine ich. Wippermann hat sich, wenn auch mit mäßigem Erfolg, ebenfalls an Steuerketten versucht, haben aber schnell gemerkt, daß Steuerketten eine andere Liga sind. Die Wippermänner sind im Sonderkettenbereich stark. Sie machen Spezialketten für Transportanlagen etc.
Ich weis in der Branche recht gut bescheid, weil ich u.a. Montage- und Prüfmaschinen für Ketten konstruiere und baue. Nur die Werkstoffe für die Herstellung von Ketten sind mir nur am Rande bekannt, weil ich damit nichts zu tun habe.

Das Verrückte an einer Kette ist, das sie, wenn sie verschleißt, nicht enger am Zahnrad anliegt, sondern an den Zähnen hochsteigt. Das kann man dann verstehen, wenn man sich die Zähne des Rades als Dreiecke vorstellt und die bei verschlissenen Ketten weiter auseinanderstehenden Rollen auf die Dreiecke schieben möchte. Die bleiben dann nämlich weiter an der Spitze hängen und verringern dadurch den Kettendurchhang und das Spiel! Und genau darin liegt das Problem: Wenn sie sich weiter längen oder die Rollen stärker verschleißen (bei billigen Werkstoffen), wandert die Kette immer weiter Richtung Zahnspitze und springt dann irgendwann über!

Ich hoffe, ich konnte die Steuerketten-Story etwas klarer darstellen, wenn nicht, haut auf mich ein!   

Viele Grüße
Jörg

† odeon8

Hallo Jörg,

schöner Beitrag  :applaus: sowas lese ich am allerliebsten.
Das tolle an diesem Forum, für alles gibts hier Experten,
die wirklich vom Fach sind und sich nicht nur so nennen.
So kann ich meiner kettengetriebenen Mausejule beizeiten
den erforderlichen Kettenwechsel bei ihrer ER5-Kawa anraten.

Thomas w(artet auf den NW-Kardan)
HUBRAUMISTDURCHNIXZUERSETZENAUSSERDURCHNOCHMEHRHUBRAUM

kruemel

kettengetriebene MJ - also babba, so viele piercings hat sie nun auch wieder nicht...

gruß, kruemel
Forums "Kernkruemel" ;-)
BMW R24 und Isetta 300

Rütz

Wow Thomas!

Was sind das für Zeichnungen? :o :o  Selbst gemacht? Und sogar an die Ölpumpe gedacht. :applaus:
Sag' jetzt nicht, das hätte schon mal jemand gebaut! ;D

@Jörg:
Zitat....sondern an den Zähnen hochsteigt.
Normalerweise ist mir das klar. Das kann man ja an Motorradketten oft genug sehen. Und sei es als Test indem man versucht, ob sich die Glieder an der Kettenradrückseite hochschieben lassen.

Aber was ist denn, wenn sich nur der Rollendurchmesser verringert, die Länge der Kette aber gleich bleibt?
Würde das nicht auch zu einem stärkeren Durchhängen führen (an der stehenden "lastlosen" Kette, meine ich.)?
Diesen Eindruck hatte ich jetzt. Oder messe ich die Kettenlänge einfach nicht genau genug (ist gar nicht so einfach ;D)....

Anselm
I never dared to be radical when young.
For fear it would make me conservative when old. (Robert Frost)

sigi_rs

Zitat von: Rütz am 26 März 2007, 01:20:10
Aber was ist denn, wenn sich nur der Rollendurchmesser verringert, die Länge der Kette aber gleich bleibt?
Würde das nicht auch zu einem stärkeren Durchhängen führen (an der stehenden "lastlosen" Kette, meine ich.)?
Diesen Eindruck hatte ich jetzt. Oder messe ich die Kettenlänge einfach nicht genau genug (ist gar nicht so einfach ;D)....

Hallo Anselm,
das hast Du ganz richtig beobachtet. Das Hochsteigen kommt dann, wenn das gesamte Kettensystem gelängt wird, also die Teilung nicht mehr stimmt (sie kann zu klein oder zu groß sein). Da ist z.B. bei nicht vorgereckten Ketten zu beobachten, daß die Kette nicht auf die Zähne geht, weil die Teilung noch zu klein ist. Es geht hier wirklich um 1/10 mm! Der Effekt wird stärker, je höher die Zähnezahl des Kettenrades ist, weil sich mehr Teilungen um das Rad legen und sich ein zu kurzer oder zu langer "Längenmittelwert" bildet.

Verschleißen die Rollen, wird die Kette insgesamt etwas schlaffer, da ohne Überlastung die Teilung gleich bleibt. Der Effekt ist allerdings nicht übermäßig groß, da die Rollen nicht teilungsbestimmend sind und nur die Rollen, die gerade am Zahn anliegen, das Spiel vergrößern.

Wird allerdings der Verschleiß zwischen Buchse und Bolzen größer oder die Qualität der Presspassung in den Innengliedern bzw. Außenlaschen leidet durch Überlastung, hat man den Effekt des Hochsteigens.

Übrigens, fällt mir gerade ein: die Buchsen der Innenglieder, die maßgeblich an der Kettenlänge beteiligt sind, sind nahezu immer gewickelt, nur sieht man das nicht, weil die Rollen das verdecken!

Viele Grüße,
Jörg

sigi_rs

Noch ein Nachtrag:

Das Messen von Ketten ist wirklich nicht einfach, da es sich um ein elastisches System handelt. Nach DIN kann eine exakte und vergleichbare Längenbestimmung nur erfolgen, wenn die Länge der Kette dann gemessen wird, wenn sie mit 1% der Bruchkraft nach DIN belastet wird.

Versucht man ohne Meßlast zu messen, haben solche Faktoren wie Öl zwischen den Rollen, Buchsen und Bolzen oder Dreck (natürlich nicht bei Steuerketten ;)) einen relativ großen Einfluss auf die Kettenlänge.
Bei unserer Steuerkette 06B-1 haben wir eine DIN-Bruchkraft von 9 kN, also ca. 900 kg. Man müsste zum korrekten Vergleichen also 9 kg dranhängen und dann die Länge messen. Dann bekommt man reproduzierbare Werte.

Nochmal viele Grüße,
Jörg

† odeon8

@ Anselm: Man soll keine Bilder ohne Quellnachweis reinstellen -  :-\\

Also die Zeichnung stammt aus dem Motoren-Buch von Dr. Lange,
dem BMW-Motorenpapst, und war ein geplantes Projekt zur Leistungs-/
Drehzahlsteigerung unserer Einzylinder. Ist aber nie verwirklicht worden
wegen der immensen Kosten dieser Kegel-Zahnräder, die ja auch noch
ungleich 90° gefertigt werden müßten.

Aber für mich als Tuning-Fan hat diese Zeichnung was faszinierendes -
ich versuch mal eine bessere Kopie (als die 3 Händi-Fotos) hier reinzustellen.

Thomas
HUBRAUMISTDURCHNIXZUERSETZENAUSSERDURCHNOCHMEHRHUBRAUM

rolf

Hallo Sigi,
sach mal:
ist es richtig das Primärketten anders (ánderes Material) gefertigt werden als Sekundärketten? Sprich , das man bei einer Bestellung auch immer sagen sollte "Primärkette so und so"?

2. Kann man den Kettenverschleiß nicht besser (sicherer) über die seitliche Durchbiegung bestimmen?
Ich habe auf meiner Werkbank mir eine Markierung gemacht, neue Kette..rechts und links gehalten und dann jeweils mittels Daumen nach oben gedrückt...an der höchsten Stelle eine Markierung gemacht...die als Maß für neue Ketten...habe ich mal eine Kette , von der ich nicht weiß ob neu oder nicht...durchbiegen und vergleichen.
Rolf

sigi_rs

Hallo Rolf,
die Methode ist gar nicht schlecht! Wenn die Gelenke (also Reibpaarung Buchse-Bolzen) verschleißen, haben die Ketten mehr seitliches Spiel (es sei denn, man erwischt eine Seitenbogen-Kette mit balligen Kettenbolzen ;D). Für einen Schnelltest ist das nach meiner Meinung absolut geeignet.

Unterschied Primärketten und Sekundärketten:
Häh?? ???
Hab ich, ehrlich gesagt, noch nicht gesehen. Das Zeug wird eigentlich immer aus dem gleichen Material gefertigt. Der einzige Unterschied, den ich mir aus der Praxis erklären kann und wo ich definitiv weis, wie's geht, liegt in der eingeschränkten Toleranz der Steuerketten. Laut ETL der R25/3 gibt es ja drei Arten von Steuerketten. Das sind sogen. klassifizierte Ketten, die einzeln ausgemessen und nach der Toleranz sortiert wurden.

Bei der Kettenherstellung wird dann z.B. eine 100m-Haspel mit unserer guten Steuerkette genommen, die Kette ist bereits nach der Montage automatisch vorgereckt worden, und in kleine Stücke "gehackt". Diese Stücke, die idealerweise der gewünschten Steuerkettenlänge entsprechen ;D, werden dann einzeln vermessen und in drei Haufen sortiert, es gibt sogar Ketten, die in 6 Klassen eingeteilt werden.

Bei Steuerketten ist eine Toleranz von 0,05% auf die Kettenlänge vorstellbar. Dann liegen z.B. die rot markierten von 0 bis 0,015%, die blauen von 0,016 bis 0,03 % und die gelben bei 0,031 bis 0,05 % (passt zwar nicht ganz und die Farben und Toleranzen sind geraten, wird aber in der Praxis so gemacht). Durch die Toleranzklassen kann dann die Kette ausgewählt werden, die für den Achsabstand und den Zustand der Kettenräder am besten passt.

Standard-Ketten, hier zähle ich Sekundärketten zu, werden mit einer Toleranz von 0,15% auf die Kettenlänge gefertigt. Dies ist kein Problem, da man ja immer einen Kettenspannmechanismus am Hinterrad hat.

Übrigens, die Bilder zeigen mal ein paar Maschinen zur Kettenmontage und -prüfung. Der Montageautomat ist zwar für Gabelstapler-Ketten, das Prinzip ist jedoch gleich, die Reckmaschine kann bis zu 60t vorrecken, die Messmaschine ist ca 9m lang und kann Ketten bis 6m Länge messen und auch bis 25t vorrecken.

Viele Grüße,
Jörg

rolf

Hallo sigi,
mit Primärketten meine ich jetzt Ketten beim Engländer (o.ä.) zwischen Motor und Getriebe.
Gehört habe ich das mit den unterschiedliche Qualitäten von einem Bekannten und im "Markt" stand letztes mal auch etwas ähnliches.
Ich wusste vorher nichts davon...ich wollte das jetzt eigentlich nur mal verifizieren lassen (falls es  das wirklich gibt...diese Unterschiede).
Rolf

sigi_rs

Hallo Rolf! :-[
Da hast Du mich auf dem linken Fuß erwischt! Ich habe in meinem Leben noch nie einen Motor mit Primärkette vor mir gehabt, da waren immer Zahnräder (oder sogar einmal ein Keilriemen! Bei meinem Solo-Mofa! ;D). Und bekannt ist mir dieser Sachverhalt schon gar nicht!

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, das man da mit Feld-, Wald- und Wiesenketten klarkommt, weil die komplette Motorleistung übertragen werden muss und der Antrieb mit Motordrehzahl läuft. Primärketten sind nach dem, was ich in Büchern gesehen habe, wohl oft Duplex oder sogar Triplex-Ketten (also zwei oder drei Reihen Rollen nebeneinander). Zusätzlich werden sie bestimmt ebenfalls wie Steuerketten toleranzmäßig klassifiziert sein.

Insbesondere gibt es einen Engländer, die Fa. Renold, die die Rollenkette erfunden hat. Und Engländer waren und sind maschinenbaumäßig kaum zu bremsen gewesen. Da habe ich die wildesten Konstuktionen gesehen. Also ist es sehr wahrscheinlich, das es da "handgeschnitzte Primärketten mit Goldauflage und Lapislazuli-Intarsien" auf den Außenlaschen gibt. ;D ;D

Ich kann mich mal erkundigen, wenn ich das nächste Mal in Hagen bin, vielleicht weis mein Ansprechpartner da was von.

Viele Grüße und danke an Euch für die Blumen in Form von Punkten! :blumen:

Viele Grüße,
Jörg

PS: Ehrlich gesagt bin ich froh, mal mit Leuten, die wirklich was darüber wissen wollen, über das Thema zu diskutieren. Im Normalfall denkt der Ottonormal-Motorradfahrer nicht viel über so eine popelige Kette nach. Nur habe ich festgestellt, dass da viel mehr hintersteckt...

Hauptmenü

Anleitungen & Bücher Baureihe Specials Startseite Vergleichsliste

Presse & Wissen

Bauzeiten & Stückzahlen Historisches Liste der BMW Modelle Presseberichte Prospekte & Plakate

Foren & Literatur

Bildergalerie Bildtafel-Suche Forum: Boxerforum Handbücher Servicedaten

Allgemeine Infos

Bildtafelsuche Glossar Impressum Kontakt Sitemap

Tipps & Service

Dienstleister Händler Märkte & Museen Tipps Verschleißteile & Werkzeuge